Wer zeichne, so Eugène Viollet-le-Duc, der lerne zu sehen "und Sehen ist Wissen". Für die Geologie, die sich um 1850 in einer Theoriekrise befindet, leitet sich daraus ein Versprechen ab: Die Produktion neuer Bilder würde helfen, endlich die großen erdgeschichtlichen Fragen zu lösen. Der Zeichnung kommt hierbei eine wichtige Funktion zu. Doch die größten Hoffnungen konzentrieren sich auf ein junges Medium, dessen Potentiale noch kaum abschätzbar erscheinen die Fotografie. In sechs Kapiteln fächert Jan von Brevern die historischen, technischen und ästhetischen Bedingungen geologischer Bilder im 19. Jahrhundert auf. Im Zentrum stehen dabei die "Bildexperten" John Ruskin, Eugène Viollet-le-Duc und Aimé Civiale.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2012
Felix Lüttge hat sich sehr interessiert mit Jan von Breverns Buch beschäftigt, das anhand der Arbeiten von Ruskin, Viollet-le-Duc und Civale das Verhältnis der geologischen Wissenschaft zu Bildern im 19. Jahrhundert untersucht. Mit dem neuen Medium der Fotografie erhoffte man sich Aufschlüsse über Fragen der Geologie, wobei Brevern deutlich macht, dass die junge Wissenschaft noch dabei war, Chancen und Grenzen von Abbildungen für ihr Gebiet auszuloten, so der Rezensent. Der Fotograf Civale erkundete als Erster die Alpen mit dem Fotoapparat, Kunsthistoriker Ruskin suchte mittels Zeichnungen und Fotografien zu ergründen, "wie die Natur bestimmte Eindrücke erzeugt" und der Architekt Viollet-le-Duc untersuchte mit seinen Zeichnungen die Berge als Naturruinen, erklärt der gefesselte Rezensent. Für ihn lässt sich mit diesem "lesenswerten" Buch gut nachvollziehen, welche Hoffnungen die junge Geologie in die Erkenntniskraft von Abbildungen setzte, auch wenn sie sich letztlich nicht erfüllten, wie Lüttge weiß.
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