Stefan Heym

Immer sind die Männer schuld

Erzählungen
Cover: Immer sind die Männer schuld
C. Bertelsmann Verlag, München 2002
ISBN 9783570006511
Gebunden, 223 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Immer wieder hat Stefan Heym bei passender Gelegenheit seine Frau Inge mit einer Geschichte überrascht. Kurz vor seinem Tod im Dezember 2001 hat er diese sehr persönlichen Erzählungen zu einem Band zusammengestellt und den Künstler Horst Hussel gebeten, sie zu illustrieren. Es sind ebenso liebevolle wie spitzzüngige Zwiegespräche mit sich und der Welt - über das gegensätzliche Ordnungsverständnis von Mann und Frau, über den weiblichen Instinkt, der den Straßenbaumaßnahmen des Kapitalismus eher gewachsen ist als der automatische Navigator im Auto, und über die Probleme mit den modernen Sicherheitsschlössern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2002

Etwas zwiespältig findet Rezensent Jörg Magenau diese nachgelassenen Erzählungen von Stefan Heym. Die Erzählungen, zumeist heiteren Szenen aus Heyms Ehe, zeichnen sich für Magenau durch ihre "subtile Ironie" und ihre Gelassenheit aus. Wie er ausführt, sind Hemys Geschichten - ursprünglich Geschenke für seine Frau und erst in zweiter Instanz zur Veröffentlichung bestimmt - in der "intimem Privatsprache der Liebenden" gehalten, einer Kunstsprache, die bei Heym dem Jiddischen nachempfunden ist und damit auf die jüdische Herkunft Heyms verweist. Den Tonfall, der sich so ergibt und der sich durch das ganze Buch zieht, findet Magenau "niedlich und nervig" zugleich. Er funktioniere an den Stellen, an denen es gelte, das Kleine, Alltägliche, Intime zu erfassen. Doch wenn Heym im selben Duktus den Tag schildert, an dem er als parteiloser Kandidat der PDS und Alterspräsident des Bundestages die Eröffnungsrede im Parlament zu halten hatte, ist das für Magenau "peinlich". Das soll indes nicht darüber hinweg täuschen, dass es der Band auch Geschichten enthält, die "eher gelungen" sind. Und so kommt der Rezensent zu dem Schluß: "ein hübsches, harmloses Geschenkbuch für jedermann und jedefrau".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Sehr angerührt haben Dieter Borchmeyer die eigentlich als private Geschenke an seine Frau Inge gedachten Geschichten von Stefan Heym. Die "jüdelnde" Sprache, das Selbstironische des Juden Heym und besonders der zunächst sehr private Charakter der liebevoll seiner Frau gewidmeten Beobachtungen aus dem burlesken Alltag des ehemaligen Alterspräsidenten des Bundestages und "unorthodoxen Juden" machen diesen zweiten Band (der Erste mit Ähnlichem "Immer sind die Weiber weg" war 1997 erschienen) zu einer, so Borchmeyer, höchst vergnüglichen und anrührenden Lektüre. "Ein Hohelied der Ehe und der Altersliebe", urteilt der Rezensent, "das mehr zu Herzen geht als manche Liebesgeschichte, welche die 'öffentliche Literatur' zu Markte trägt."
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