Wilhelm Raabe nimmt unter den kanonisierten Autoren des deutschsprachigen Realismus noch immer eine Sonderposition ein. Fauth weist durch detektivische Textarbeit erstmals nach, wie eng die spezifisch »altmodische Modernität«, die vieldiskutierte »implizite Poetik« und die chaotische Zeit- und Raum-Struktur der Raabeschen Erzähltexte mit der Ästhetik und Willensmetaphysik Arthur Schopenhauers verbunden sind. Anhand von detaillierten Interpretationen von u.a. Zum wilden Mann, Höxter und Corvey, Die Innerste, Das Odfeld, Hastenbeck und Altershausen zeigt er sowohl die strukturellen als auch die thematischen Spuren von Schopenhauers Einfluss auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2009
Nicht immer einverstanden ist Rezensentin Ingeborg Harms mit dieser Studie über Wilhelm Raabes Schopenhauer-Rezeption, die der Germanist Sören R. Fauth vorgelegt hat. Ihre Kritik entzündet sich vor allem an der Intention des Autors, nicht nur die Beschäftigung Raabes mit Schopenhauers Ideen darstellen zu wollen, sondern auch zu zeigen, dass die pessimistische Philosophie Schopenhauers dem Schriftsteller Raabe geradezu die Inhalte seiner Werke diktiert habe. Das läuft für Harms auf eine Reduktion von Raabes Werk auf Schopenhauer'sche Gedanken hinaus, die sie so nicht sieht. Sie hebt demgegenüber vielmehr das literarische Eigenleben der Texte Raabes hervor.
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