"Versteh mich nicht falsch. Ich wollte Mutter werden, ich bin gerne Mutter. Aber ich bin auch wütend, seit ich Mutter bin. Ich bin auf sehr vieles sehr wütend. Zum Beispiel auf den heutigen sogenannten Weltfrauentag, an dem ich hier sitze, allein mit dem Kind." Lieber Frosch! Lieber Jesus! Liebe Madonna! So beginnen die Briefe einer Mutter, die zu schreiben versucht, aber kaum noch dazu kommt. Seit sie ein Kind hat, fühlt sie sich isoliert und in alten Rollenmustern gefangen. Sie hat viele Fragen: nicht nur zum Muttersein und zur Ehe, sondern zur Welt und zu den Dingen, wie sie sind. Hat sich Jesus schon mal Gedanken übers Kinderkriegen gemacht? Und wie verbringt eigentlich Mohamed den Weltfrauentag? Sie schreibt Briefe an Schneewittchen, an Ulrike Meinhof, an ihren Schwiegervater und Sohn. Je mehr Briefe sie schreibt, desto wütender wird sie: auf die ungerechte Rollenverteilung, auf die Religion und Politik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2020
Rezensent Anton Thuswaldner kommt mit dem Ärgern gar nicht nach beim Lesen von Simone Hirths Briefen einer jungen überforderten Mutter. Hirth ist für ihn ein schlagendes Beispiel dafür, dass ein Haufen Preise und Stipendien noch keine gute Literatur machen. Hirths Verlag, meint er, hätte der Autorin besser eine Absage erteilen sollen. Doch dann hätte sich Thuswaldner nicht so schön aufregen können über das banale Geschwätz im Buch, das keinen interessiert, weil die Erzählerin sich selbst genug ist, wie der Rezensent feststellt, ob sie nun fiktive Post an Madonna oder Jesus schreibt. Dass der Inhalt dann auch noch mit "sprachlichen Missgeschicken" garniert ist, gibt Thuswaldner den Rest.
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