Cécile Tlili

Eine Frau verschwindet

Roman
Cover: Eine Frau verschwindet
Kein und Aber Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783036950952
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Corinna Rodewald. Als Alice von ihrem Mann verlassen wird, ist sie schockiert. Sie ist ratlos, weiß nicht, wie sie vor ihrer Tochter die Fassung bewahren soll. Sicher ist nur, dass sie nicht im gemeinsamen Haus bleiben kann. Ohne ihrem Mann oder ihrer Tochter viel zu erklären, mietet sie sich eine unscheinbare Zwei-Zimmer-Wohnung, weit genug entfernt, um den beiden nicht versehentlich über den Weg zu laufen. Tagsüber geht sie zur Arbeit, nachts streift sie schlaflos durch die Stadt, bis sie ihrer Nachbarin Siham begegnet. Die ist gerade mal zwanzig, macht eine Ausbildung in der Krippe und versucht, sich aus den engen Strukturen ihrer Familie zu lösen. Obwohl die Lebenslagen der Frauen kaum unterschiedlicher sein könnten, erkennen die beiden bald, dass sie die Suche nach Freiheit verbindet, und es entsteht eine unerwartete Freundschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2026

Frauen, die aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen, gibt es häufig in der französischen Literatur, hält Rezensent Cornelius Wüllenkemper fest. Nun gesellt sich Cécile Tlilis Protagonistin Alice dazu: Alice' Mann hat sie verlassen, weil er noch mal was erleben will. In tagebuchartigen Texten berichtet Alice von ihrer Angst, sich im "Schlick undefinierbarer Gefühle" zu verlieren, ihre Flucht aus dem bisherigen Leben wird für Wüllenkemper auch eine Flucht vor dem emotionalen Abgrund, den sie fürchtet. Den Kritiker beeindruckt, wie Tlili den Sog der Gefühle erfahrbar macht, ohne ins Pathetische zu verfallen. Vor allem aber lobt der Kritiker, wie die Autorin Alice' Rückkehr schildert: Nicht ins Familienhaus, sondern in ein Brennpunktviertel von Montpellier, das mit seinen "erschöpften Gebäuden" zu einer Wiedergängerin von Alice wird. Dass Tlili in dieser Geschichte einer Emanzipation statt auf Aktivismus auf Subtilität setzt, dabei einen zwischen Nüchternheit und Poesie changierenden Ton trifft und schließlich ganz zart eine zweite Frauenfigur einführt, mit der sich Alice gemeinsam schließlich von Rollenbildern und Erwartungen löst, findet Wüllenkemper stark. Ein Roman, der nachhallt, meint er.

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