Berlin, November 1918: Mit dem Frauenwahlrecht erfüllt sich für Marlene von Runstedt ein Lebenstraum. Die engagierte junge Juristin setzt sich seit Jahren in einer Beratungsstelle für Frauen ein. Endlich wird ihre Stimme gehört, endlich kann sie etwas bewegen. Ermutigt vom Vater, einem Rechtsprofessor, und ihrem Verehrer Max Emden, tritt sie der neu gegründeten liberalen DDP bei. In die Aufbruchsstimmung platzt Justus von Ostwald, dem Marlene vor Jahren das Herz brach. Dennoch sind sie sich innig verbunden, auch Justus' Beziehung zu der Schauspielerin Sonja Grawitz, Marlenes Jugendfreundin und nunmehr Mitglied der kaisertreuen DNVP, ändert nichts daran. Nach einem hitzigen Wahlkampf der Frauen gegen viele Widerstände wird die Nationalversammlung in Weimar eröffnet. Hier begegnen sich Marlene und Sonja - ein heikles Treffen, da Sonja ein Kind von Justus erwartet, während sich Marlene seiner Bewunderung noch immer kaum entziehen kann. Ein fataler Autounfall zwingt Marlene schließlich zu einer Entscheidung …
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 17.03.2022
Rezensentin Christine Lemke-Matwey kann mit den vielen derzeit erscheinenden historischen Frauenromanen, von denen sie sich drei Vertreter anschaut, nicht viel anfangen. In Micaela A. Gabriels Reihe "Die Frauen vom Reichstag" werden die ersten "parteipolitischen Gehversuche" von Frauen zwischen 1918 und 1941 geschildert, aber das Ganze kommt nicht ohne eine "süffige Dreiecksgeschichte" aus, beschwert sich Lemke-Matwey. Auch in den anderen besprochenen Romanen, Ulrike Schweikerts zweiter Charité-Band "Aufbruch und Entscheidung" sowie in Marie Benedicts Lady Churchill dominieren letztlich die romantischen Begegnungen und die Ausrichtung nach den Männern, meint die Kritikerin. Dass das Genre aktuell so "boomt" kann sie sich nur dadurch erklären, dass viele der Widersprüche in den Büchern auch heute noch bestehen.
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