Sigrid Weigel

Literatur als Voraussetzung von Kulturgeschichte

Schauplätze von Shakespeare bis Benjamin
Cover: Literatur als Voraussetzung von Kulturgeschichte
Wilhelm Fink Verlag, München 2004
ISBN 9783770537051
Kartoniert, 306 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Grundlage der Studien ist die Wahlverwandtschaft zwischen Literatur- und Kulturwissenschaft. Denn unser Wissen von der Kulturgeschichte, so die Ausgangsthese des Buches, entspringt der Lektüre. Deren an Texten entwickeltes Vermögen zur Entzifferung wird dabei auf die Signaturen anderer Hinterlassenschaften übertragen: neben dem Archiv schriftlich überlieferten Wissens auch auf bildliche und (ikono-) graphische Darstellungen, auf Topographien, Photos und Überreste: "Umkehr ist die Richtung des Studiums, die das Dasein in Schrift verwandelt" (Walter Benjamin). Betrachtung des Daseins als Schrift aber heißt: Beerbung philologischer Methoden, Analyse der Figurativität, Ikonographik und Medialität von Darstellungen sowie Aufmerksamkeit für die Bilder und Worte, die den Begriffen vorausgehen und diese erst ermöglichen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.09.2005

Am Ende ist Hans-Herbert Räkel dann doch ein bisschen enttäuscht. Zwar kann er Sigrid Weigel, die Autorin des Buches "Literatur als Voraussetzung der Kulturgeschichte", nicht genug preisen: "weitläufige Belesenheit", "bewunderungswürdige Sachkenntnis" und einen "scharfen kritischen Blick" benennt er als ihre hervorstechendsten Eigenschaften. Die Eignung, überzeugend darzustellen, wie Literatur immer schon Kulturwissenschaft avant la lettre, "Proto-Kulturwissenschaft" war, ist der Verfasserin also wohl nicht abzusprechen. Nur bringt sie, wie der Rezensent moniert, am Ende doch den akademischen Notwendigkeiten - der allgegenwärtigen Publikationspflicht - die Sache zum Opfer. Zur wirklichen Einheit nämlich fügen ihre zwölf in diesem Band versammelten Beiträge sich nicht, da nützt weder das klammerschaffende Vorwort noch die Hinzufügung von Register und Gesamtbibliographie. So bleiben ihre gelehrten Ausführungen zu den "Schauplätzen von Konvertierungen", zum "Nachleben der Religion in der Moderne", zur "Spur der Affekte in der Geschichte" und zu "Bildräumen und Topographien" gelehrte, ebenso belehrende wie unterhaltsame wissenschaftliche Rundgänge auf den Spuren von Walter Benjamin, Goethe, Kleist und Shakespeare. Eine geschlossene, stringente Studie ergeben sie nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2004

Jochen Hörisch sieht sich in diesem Buch mit "reicher Ernte, ungewohnten Fragestellungen und überraschenden Antworten" beschenkt. Die Kulturwissenschaftlerin Sigrid Weigel geht in ihren sorgfältigen und weit gefassten literarischen Studien immer wieder "scheinbar "unbedeutenden Details" nach, die dann auf größere Zusammenhänge verweisen, wie zum Beispiel dem Zusammenhang zwischen "Satzbau und Städtebau" oder "Kognition" und "Emotion", stellt der Rezensent fest, der hierin die "eigentümliche Dialektik" der Darlegungen der Autorin sieht. Er gibt zu, dass so mancher interessanter Gedanke in "Universitätsdeutsch" zu versinken droht, doch das "methodische Prinzip" dieses Buches , betont Hörisch, ist schlicht "sehr viel zu wissen", was er der Autorin auch anstandslos zuerkennt. Vor allem aber sind die Studien Weigels eine "Liebeserklärung an das Medium der schönen wie wissenden Literatur", so der Rezensent abschließend angetan.
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