Sherwood Anderson

Winesburg, Ohio

Eine Reihe von Erzählungen aus dem Kleinstadtleben Ohios
Cover: Winesburg, Ohio
Manesse Verlag, Zürich 2011
ISBN 9783717522683
Gebunden, 299 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeldt. Wing Biddlebaum verlor durch ein fatales Missverständnis seine Stelle als Lehrer und mit ihr seine Seelenruhe. Alice Hindman wartet auch elf Jahre nach deren Verschwinden noch verzweifelt auf die Rückkehr ihrer Jugendliebe. Der Arzt Mr Reefy schreibt seit dem Tod seiner Frau Gedankensplitter auf kleine Zettel und wirft sie weg. Selbst die Existenz des jungen Lokalreporters George Willard, der neugierig all diese Schicksale sammelt, ist nicht frei von tragischen Verstrickungen. Schrullige, einsame Charaktere bevölkern das Städtchen Winesburg in Ohio, einen Ort auf der literarischen Landkarte, dem Autoren bis heute ihre Reverenz erweisen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2012

Christoph Schröder freut sich sehr über die Wiederentdeckung von Sherwood Anderson. Gleich zweimal ist dessen Buch "Winesburg, Ohio" jetzt neu übersetzt worden, von Eike Schönfeld und von Mirko Bonné. Vom Rezensenten erfahren wir, dass das Buch die Geschichten der Bewohner Winesburgs erzählt, einzelne Schicksale, die sich nur vorübergehend überschneiden, berühren und dann wieder ihrem eigenen Weg folgen. Im Zentrum stehen für Schröder die Verzweiflung, die allen Figuren zugrunde liege, und Verwandlungen - plötzliche Richtungswechsel, die ein Leben vollziehen kann. Die Übersetzungen empfiehlt der Rezensent beide ohne Einschränkungen, auch wenn sie sich komplett unterscheiden, wie er findet: Bonnés Fassung findet er kraftvoller, Schönfelds dafür feiner in den Details.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.03.2012

Nicht ganz leicht für Werner von Koppenfels, herauszukriegen, warum ausgerechnet jetzt eine Anderson-Welle mit gleich mehreren Übersetzungen seines Midwest-Epos anrollt. Gut möglich, dass es der Aufbruch des Autors vor hundert Jahren war - weg von der Familie und hin zu den Dichterfreunden. Den hier von Eike Schönfeld schön schlicht übertragenen Text wenigstens schätzt Koppenfels für seinen lakonischen Erzähler, der die 21 Charakterskizzen von skurrilen Gestalten lose aneinanderreiht, quasi als Gegenentwurf zum American Dream. Diese Figuren haben es nicht geschafft, der klaustrophobischen Enge der Provinz, dem Suff, der Schufterei, der Frustration zu entkommen, erkennt Koppenfels. Die wenigen Metaphern, der intensive Blick auf die Natur sind für ihn gleichsam Hinweise auf diese Trostlosigkeit, die der Autor nicht als Sozialkritik entwirft, sondern als ironische Elegie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.02.2012

Eins möchte der Rezensent bei dieser Gelegenheit mal loswerden: Dass ein Buch wie dieses gleich in mehreren respektablen Übersetzungen vorliegt, ist doch ein toller Luxus! Sherwood Andersons berühmtesten Roman, Vorbild für Faulkner, Hemingway und andere, findet Burkhard Müller aber auch speziell. Laut Müller zeichnet der Autor eine weitgehend realistische, aber durchaus nostalgisch gefärbte Midwest-Szenerie der Einsamkeit, in der sich, wenn nicht das Leben an sich, so doch eine tiefe amerikanische Wahrheit erkennen lässt. Die mannigfachen Figurenporträts, aus denen der Roman besteht, machen es Müller allerdings nicht ganz leicht, das Buch als ein Ganzes zu erleben. Erst da er dem Blick des Autors hinter die den Rhythmus des Buches bestimmende existentielle Rede, hinter die Alltäglichkeit der Figuren folgt, erkennt Müller den Zusammenhang.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2012

Rezensent Paul Ingendaay freut sich, dass gleich zwei empfehlenswerte Neuübersetzungen zu Sherwood Andersons Erzählsammlung "Winesburg, Ohio" erschienen sind, die er als Klassiker der amerikanischen Literatur würdigt. In den zwanzig Erzählungen begegnen dem Kritiker viele resignierte Figuren, die neben der beginnenden Industrialisierung in ihrem ehemals idyllischen Dorf, auch mit ihren individuellen, traurigen Schicksalen hadern. So liest Ingendaay hier etwa von einem voyeuristischen Pfarrer, der durch ein Loch im Kirchenfenster nachts die nackten Arme einer lesenden Frau beobachtet. Insbesondere lobt der Rezensent jedoch Andersons minimalistischen Erzählstil, der ihm als Mischung aus "Bibel und Maupassant" erscheint. Während die beiden Neuübersetzungen qualitativ das gleiche hohe Niveau erreichen, sind sie sprachlich kaum zu vergleichen, berichtet der Rezensent. Die Übersetzung Eike Schönfeldts schätzt er vor allem für ihren prosaisch-schlichten Stil. Darüber hinaus verfüge die Manesse-Ausgabe über ein sehr gelungenes Nachwort von Daniel Kehlmann.
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