Shady Lewis

Auf dem Nullmeridian

Roman
Cover: Auf dem Nullmeridian
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2023
ISBN 9783455015720
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Günther Orth. Dieser Roman aus Ägypten erzählt davon, was es heißt, weder ankommen noch zurückkehren zu können. Ein Ägypter lebt als Immigrant in London. Er arbeitet in der Wohnraumbehörde eines für seinen hohen Anteil an Einwanderern bekannten Bezirks. Aber anstatt Menschen eine Bleibe zu vermitteln, verzweifelt er an der Bürokratie. Der Anruf eines Freundes verspricht seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Der Ägypter soll helfen, einen jungen Syrer zu beerdigen, der nach seiner Flucht in London verstarb. Schmerzliche Erinnerungen werden wach, an die eigene Einwanderergeschichte, an die Kindheit als ausgegrenzter koptischer Christ in Kairo.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2023

Im Zentrum von Shady Lewis' Buch steht steht ein Ich-Erzähler, der, wie der Autor selbst, als koptischer Christ aus Ägypten nach London ausgewandert ist und nun in der Stadtverwaltung arbeitet und Bedürftigen Wohnraum zuteilt, erläutert Rezensentin Julia Baumann. Diese Tätigkeit spielt eine Rolle im Buch, erfahren wir, aber es geht auch um die Diskriminierungserfahrungen, die der Erzähler sowohl, religionsbedingt, in Ägypten, als auch, hautfarbenbedingt, in England machen muss. Außerdem macht sich Lewis laut Baumann über britische Hobby-Ägyptologen lustig und zeigt auch die Verwirrung auf, die im multiethnischen Londoner Alltag oft herrscht, was die Kritikerin authentisch findet. Am Ende bleibt der Erzähler ein Fremder, auch wenn er sich selbst nicht so sehe, meint die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.07.2023

Rezensentin Maha El Hissy liest mit Shady Lewis zweitem Roman ein aktuelles und facettenreiches Buch. Dessen aus Kairo nach London emigrierter Protagonist hängt im drögen Alltag seiner Arbeit in der englischen Wohnraumbehörde fest. Bedürftige verwandeln sich in diesem Verwaltungsapparat in abstrakte Zahlenreihen, so die Kritikerin. Sein Leben bekommt eine Wendung, als er von einer syrischen Familie gebeten wird, einen Angehörigen zu beerdigen, der nach seiner Flucht in London gestorben ist, resümiert El Hissy. Raffiniert inszeniert Lewis eine distanziert-ironische Perspektive, so El Hissy, die den gleichgültigen Blick der Gesellschaft auf Bedürftige und Schutzsuchende widerspiegelt. Lewis gelinge es, die gesellschaftlichen Widersprüche der Gegenwart abzubilden.

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