Waguih Ghali

Snooker in Kairo

Roman
Cover: Snooker in Kairo
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406719028
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Diana Athill. In "Snooker in Kairo" geht es um Ram und seinen Freund Font, ihre Familien und Freunde, und um seine Liebe zur Jüdin Edna. Ram und Font stammen aus der ägyptischen Oberschicht, es ist das Kairo der 1950er-Jahre, das heute sehnsüchtig verklärt wird. Sie sind eher europäisch, aber nicht arabisch geprägt und schon gar nicht religiös. Waguih Ghalis einziger Roman wurde während des arabischen Frühlings zu einem Fanal für die Demonstrierenden, weil das von ihm beschriebene Ägypten unter Nasser mit seiner Repression so sehr an die Gegenwart erinnert. Die jungen Leute verachten die dekadente Schicht, aus der sie teilweise kommen, und bleiben doch gefangen in den Annehmlichkeiten, die sie gewohnt sind, sie wirken orientierungslos und verloren, zynisch, empfindsam, komisch, anarchisch und voll Lebenshunger.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.05.2018

Christopher Resch erkennt die Brisanz in diesem Roman, den der Ägypter Waguih Ghali bereits vor fünfzig Jahren  veröffentlichte. Denn "Snooker in Kairo" erzählt von der postrevolutionären Zeit unter Präsident Nasser, als das Land nach allen Aufbruchshoffnungen träge und gelähmt darniederlag. Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Ram, der - gebildet und attraktiv - einer verarmten Upperclass-Familie entstammt und nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Zwischen Alkohol, Frauen und England hin und hergerissen, entscheidet er sich schließlich für die Politik, um in der Kommunistischen Partei vollends zu verzweifeln. Ram ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, räumt der Rezensent ein, er ist launisch, sprunghaft und zynisch, aber am Ende wächst er dem Rezensenten doch ans Herz, vor allem bei dem Gedanken, was heute unter Abdel Fattah al-Sisi mit einem wie ihm geschehen würde.  

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.05.2018

So hellsichtig und klar hat Sonja Zekri kaum je über das Verhältnis der arabischen Welt zum Westen gelesen, wie in Waguih Ghalis Roman, so allgemeinmenschlich, wie der Autor die postkoloniale Zerrissenheit im Kairo der 50er Jahre beschreibt, als laut Zekri für einen Moment alles möglich schien. Die Sehnsucht nach einem säkularen, weltoffenen Leben spricht für sie aus jeder Seite der Geschichte, in der die Politik wie beiläufig vorkommt, so Zekri, und der Fokus auf dem gescheiterten Aufbruch liegt, der Desillusionierung einer ganzen Generation.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de