Herausgegeben von Hans Henning Hahn, Peter Oliver Loew und Robert Traba. Deutsche und Polen teilen viele Erinnerungen, die jedoch unterschiedlichen Identitätsbedürfnissen in beiden Gesellschaften entsprechen. Die hier vorliegenden Essays über gemeinsame und geteilte deutsch-polnische Erinnerungsorte erlauben analytische Einblicke in die Erinnerungskulturen beider Länder, in ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die deutsch-polnische Nachbarschaft bringt es mit sich, dass sich ohne die Kenntnis der jeweils anderen Geschichte auch die eigene nur unvollkommen verstehen lässt. Die Autoren der hier versammelten Beiträge überwinden die nationalen Schemata, indem sie die deutschen und polnischen Erinnerungskulturen in gesellschaftlichen, regionalen, genderbezogenen und konfessionellen Kontexten betrachten. Im steten Wechsel der Perspektiven und der damit verbundenen Anerkennung unterschiedlicher Erfahrungen zeigt der Band eindrucksvoll, wie heute europäische Geschichte geschrieben werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.04.2016
Rezensent Jan Opielka lobt den abschließend erschienenen ersten Band des von Hans Henning Hahn und Robert Traba herausgegebenen fünfbändigen Projektes. Die über insgesamt rund 100 essayistische Beiträge durchgehaltene Zweifachperspektive auf deutsch-polnische Erinnerungsorte ist laut Rezensent äußerst fruchtbar. Indem Vielfalt dargestellt wird, wird der identitätsstiftende Einfluss der unterschiedlichen Perspektiven für den Leser erkennbar, meint er. Wenn im neuen Band Preußen, Breslau, der Polenfeldzug und Flucht und Vertreibung behandelt werden, lernt Opielka, den positiv besetzten Gründungsmythos Preußens von der negativ konnotierten Besatzung zu unterscheiden als Differenz zwischen Spree und Weichsel. Die Lektüre scheint ihm bewusstseinserweiternd, nachbarschaftsfördernd und wichtig.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2016
Grandios findet Thomas Urban die Leistung der Herausgeber Hans Henning Hahn, Robert Traba und Peter Oliver Loew. Für ihn stellt ihre Edition einen grundsätzlichen Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung dar. Abgesehen von einem lückenhaften Aufsatz über die Westverschiebung Polens entdeckt er nur Aufschlussreiches, wenn die rund 130 Beiträger des auch auf Polnisch erscheinenden Sammelbandes Vorurteile und Klischees auf beiden Seiten zu klären versuchen. Durch die differenzierte Gegenüberstellung der Fremdenbilder in den beiden Ländern und ihrer Folgen, behandelt werden etwa Bismarck, das Thema Flucht und Vertreibung oder das Werk Chopins, lobt Urban, gelingt es, Denken und Handeln der Nachbarn zu erklären.
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