Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Wenn ein Vater das Gesetz schützen soll, doch stattdessen das größte Unrecht geschehen lässt. Wenn sich ein Mann bei dem Versuch, sein Leben zu bestreiten, durch sein Schweigen schuldig macht. Wenn ein Kind in einer Gesellschaft aufwächst, in der Mitgefühl bestraft wird. Die beinahe märchenhaft anmutenden Kurzgeschichten in "Kaltfront" blicken tief in die Seele der Türkei. Mitfühlend und liebevoll erzählt Demirtaş von den Ärmsten der Gesellschaft: den Hilfsarbeitern, den Busfahrern, den Straßendieben - sie alle eint der Wunsch nach einem glücklichen Leben und die schiere Ausweglosigkeit ihrer Situation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2023
Rezensent Luca Vazgec ist beeindruckt: Mit seinen Geschichten aus Ostanatolien wirft Autor Selahattin Demirtaş, der seit 2016 als Ko-Vorsitzender der linksliberalen Demokratische Partei der Völker (HDP) im Gefängnis sitzt, Schlaglichter auf die "kurdische Volksseele", lobt er. Es sind die kleinen Leute und ihr Schicksal, die Demirtas interessieren, erfahren wir. Vazgec lobt die Beschreibungskunst des Autors, der in seinen Geschichten mehr auf Atmosphäre als auf politische Kritik setzt. Manchmal wird es dem Kritiker zu viel mit der "Armutsromantik", aber alles in allem scheint er die Erzählungen, die Gerhard Meier "großartig" übersetzt habe, sehr gern gelesen zu haben.
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