Sebastian Reinfeldt

Nicht-wir und Die-da

Studien zum rechten Populismus
Cover: Nicht-wir und Die-da
Braumüller Verlag, Wien 2000
ISBN 9783700313120
Taschenbuch, 228 Seiten, 26,59 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2001

Insgesamt ist Thomas Lemke von diesem Buch, das die "ideologischen Formen" und die "diskursiven Strategien" der österreichischen FPÖ untersucht, ziemlich begeistert. Er lobt den Ansatzpunkt der Studie, die sich nicht, wie sonst häufig, mit der Person Haiders beschäftigt, sondern intensiv mit den sprachlichen Äußerungen der FPÖ auseinandersetzt. Dabei bemühe der Autor ein "reichhaltiges theoretisches Instrumentarium", mit dem er seine Erkenntnisse absichere. Hier sieht der Rezensent allerdings auch einen entscheidenden Makel der Studie, denn er wirft Lemke vor, dass er nicht immer ausreichend um Verständlichkeit bemüht ist und außerdem allzu häufig verwendete Begriffe entweder gar nicht oder erst sehr spät erläutert. Trotzdem preist der Rezensent das Buch als gelungenen Versuch, die FPÖ nicht so sehr als rechtsextreme Partei zu beschreiben, als vielmehr ihren rechten Populismus zu entlarven und ihre Argumentationsstrategien zu analysieren.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2000

Robert Misik bespricht zwei "hervorragende" Bücher über Jörg Haider und den rechten Populismus, aus denen man lernen könne, wie "man unter den Bedingungen der postmodernen Auflösung des Politischen politische Lager konstituiert".
1) Sebastian Reinfeldt: "Nicht-wir und Die-da"
Besonders imponiert hat Misik an diesem Buch, dass auf Reinfeldts Doktorarbeit basiert, wie der Autor die geschickte Strategie Haiders analysiert, mit der dieser den "Konflikt-Charakter" der Politik wiederbelebt, während die anderen Parteien in "pragmatischem Technokratismus" versinken. "Nicht-wir" (das sind die Fremden und Ausländer) und "Die da" (das sind die Politiker und das Establishment) gegen "wir" - die `fleißigen, anständigen` Österreicher. So einfach ließ sich ein neues `Lager` in der Politik aufmachen, nachdem die traditionellen Unterschiede zwischen den anderen Parteien fast verschwunden sind. Das, stimmt Misik dem Autor bei, ist keine Extremismus, sondern Populismus. Einleuchtend findet Misik auch Reinfeldts These, dass die Maßnahmen der EU gegen Österreich Haider genau im rechten Moment - als er nämlich auch schon zu denen `da oben` gehörte - geholfen haben, indem sie als "supranationales" Establishment, also als neues "oben", in die Bresche gesprungen ist. Reinfeldts Studie gehöre zum "Besten" was über Haiders Aufstieg geschrieben worden sei, rühmt Misik, "gerade weil er uns recht wenig über den Polit-Popstar erzählt, dafür umso mehr über das Setting des Populismus im Allgemeinen."
2) Klaus Ottomeyer: "Die Haider-Show"
Dieses Buch streift Misik in seiner Rezension nur kurz. Man erfahre hier etwas mehr über Haider selbst, meint der Rezensent und empfiehlt es allen, die wissen wollen, wie Haiders "Hass- und Hetzpolitik" mit `dem unbeschwerten Hedonismus der Konsumgesellschaft" zusammengehe. Neben diesen zwei Bänden empfiehlt Misik noch Christa Zöchlings "brillante" Biografie "Haider - Licht und Schatten einer Karriere", ohne weiter auf das Buch einzugehen.
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