Das Ergebnis der Nationalratswahl am 24. November 2002 hat das politische Kräfteverhältnis in Österreich auf den Kopf gestellt. Die Zeit der Erosion der Großparteien scheint beendet, ebenso die Ära Haider. Die Neuformierung findet in der politischen Mitte statt, die ÖVP ist dabei die bestimmende Kraft. Das Buch leuchtet die Hintergründe dieser Entwicklung aus: Mit einem Befund der Wahlforschung, einer Analyse des Scheiterns der FPÖ, eine Darstellung, warum die SPÖ die Versteinerung des sozial-liberalen Konsenses verschlafen hat und eine Mutmaßung darüber, warum die Intellektuellen ihre Welt in Österreich nicht mehr verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2003
Nach Jahren des unaufhaltsamen Aufstiegs unter ihrem Mentor Jörg Haider folgte bei den Wahlen im Jahre 2002 der politische Absturz der FPÖ auf 10 Porzent. Der Rezensent mit dem Kürzel "R.O." bescheinigt den Herausgebern des Bandes, gut herausgearbeitet zu haben, wie es zu dieser Trendumkehr kam und welche Faktoren sie beeinflusst haben. Überzeugend findet er vor allem die These, wonach dies "zuvorderst durch die Umkehr der Wählerbewegung von den Rändern ins Zentrum bestimmt sei." Auch die Analyse, wie die Diagnosen der österreichischen Intellektuellen in ihrem missionarischen Eifer an der gesellschaftlichen Realität vorbeigehen, findet er plausibel. Einzig den Befund, die traditionellen politischen Lager Österreichs hätten sich aufgelöst betrachtet er mit Skepsis. Insgesamt ein lesenswertes Buch, befindet R.O., dem allein "das faktenschaffende und bezwingende politische Handeln desjenigen zu kurz gekommen scheint, der nicht alleine die Angststarre vor der Schlange überwand, sondern ihr den Giftzahn zog". Er meint damit Wolfgang Schüssel.
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