Sebastian Polmans

Junge

Roman
Cover: Junge
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422465
Gebunden, 194 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Unten im Ort, der wie ein Niemandsland zwischen den Grenzen liegt, herrscht triste Normalität. Die Menschen gehen in die Kirche und prozessieren stolz beim Schützenfest. Von den Dingen, die um sie herum passieren, nehmen sie kaum Notiz. Den Jungen aber treiben Schwindelschübe hinein in einen Zitterzustand. Er sieht Kinder, bewaffnet mit Gewehren, Totempfähle, Asylanten, die wartend in ihren Baracken kauern. Er begreift, daß er anders ist, und schöpft daraus neuen Mut. Fortan begegnet er der Welt mit einem verängstigten Staunen, in der Hoffnung, daß sie mehr bereithält, als der schnelle Blick erhaschen kann. Die Enge des Dorfes schnürt ihm zunehmend die Luft ab. In einer Nacht, in der die Bilder rauschen, plant er sein Fortgehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2012

Atmosphärisch sehr dicht findet Rezensent Hans-Martin Gauger dieses Debüt von Sebastian Polmans, der darin Eindrücke eines jugendlichen, fast noch kindlichen Lebens am Niederrhein festhält. Ohne dass der Leser Genaueres oder auch nur seinen Namen, erfährt, begleitet er den Jungen an den Waldrand, zum Flugplatz oder ins Asylbewerberheim. Der Vater ist im Schützenverein, die Mutter in der Messe. Viel Distanz zu dieser Kindheit sieht der Rezensent in diesem Buch nicht, aber er attestiert ihm Intensität und zeigt sich davon beeindruckt, welch "Stille und Ernst" hier herrschen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2011

Als lockendes Versprechen auf mehr nimmt Roman Bucheli den, wie er schreibt, "hochpoetischen" Debütroman von Sebastian Polmans. So karg und gleichsam aus respektvoller Distanz der Autor zwei Tage aus dem Leben eines Jungen zwischen Jugend und Erwachsensein auch schildert, so sehr vermag Bucheli die Empathie des Textes zu spüren, weil es eben jene unangetastete Rätselhaftigkeit ist, die für Bucheli die Situation des Jungen, seine Gefühlswelt, am besten beschreibt. Schwebend erscheint ihm der Text auch, indem der Autor ihn in einem Niemandsland ansiedelt, durch das sich der Held teilnahms- und orientierungslos bewegt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011

Rezensent Helmut Böttiger ist von Sebastian Polmans Debütroman sehr beeindruckt, er sieht sich durch die schwebende Prosa geradezu in Lektürerausch versetzt. Geschildert werden zwei Tage aus der Perspektive eines Jungen in einem Dorf an der deutsch-holländischen Grenze, wobei die anschauliche und atmosphärische Sprache und die besondere Beobachtungsgenauigkeit eines präpubertären Bewusstseins den besonderen Reiz ausmachen und eine große Sogwirkung erzeugen, wie der Rezensent preist. Über den klassischen Adoleszenzroman geht dieses "erstaunliche" Debüt weit hinaus, betont Böttiger. Wie in Georg Büchners "Lenz" werde hier ein "Riss zwischen Ich und Welt" thematisiert. Der Rezensent erkennt leichte Anklänge an Werke von Peter Handke, Adalbert Stifter und Georg Klein in diesem Roman, es ist aber vor allem das "ganz Eigene", das ihn in diesem Buch begeistert und seine Erwartungen an ein literarisches Debüt weit übertrifft.
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