Scholastique Mukasonga
Sister Deborah
Roman

Claassen Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783546100892
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783546100892
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Jan Schönherr. Ruanda, 1930er Jahre: Während sich in Ostafrika immer mehr Menschen zum Christentum bekennen, verkündet Sister Deborah, eine Missionarin aus den USA, dass der Messias niemand anderes als eine schwarze Frau sein wird. Ihre radikale Botschaft bringt sie in Konflikt mit Kirche und Kolonialmacht, man bezichtigt sie der Hexerei - bis sie eines Tages spurlos verschwindet.Zwei Jahrzehnte später, im fernen Washington: Die brillante Akademikerin Ikirezi, die als Kind von Sister Deborah geheilt wurde, kann ihre Retterin nicht vergessen. Sie begibt sich auf eine Reise zurück nach Ruanda, entschlossen, herauszufinden, was damals geschah.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2026
Rezensent Tobias Döring beschreibt Scholastique Mukasongas Roman als dichte, vielschichtige Erkundung kolonialer und religiöser Machtverhältnisse im Ruanda der 1930er-Jahre. Im Zentrum steht die charismatische Predigerin Sister Deborah, die von einem Termitenhügel aus eine radikal weibliche Heilsvision verkündet und Männermacht unterläuft. Ihre ekstatischen Botschaften der schwarz-amerikanischen Pfingstkirche verbinden spirituelle Hoffnung mit sozialem Aufbegehren, bis die Kolonialmacht gewaltsam reagiert, erfahren wir. Die Erzählung wandert von Kindheitserinnerungen der Ich-Figur Ikirezi über Deborahs eigene Lebensgeschichte (als Mama Nganga in Nairobi) bis zu Ikirezis späterer Rolle als Ethnologin in Nordamerika. Mukasonga verknüpft persönliches Gedächtnis, Legende und Geschichte in klarer, rhythmischer Prosa. Jan Schönherrs Übersetzung bewahrt den Klang des Kinyarwanda. Feministisch, historisch präzise und erzählerisch elegant, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.12.2025
Mit "Sister Deborah" liest Rezensentin Dina Netz ostafrikanische Geschichte aus einer neuen Perspektive, nämlich aus der zweier schwarzer Frauen. Was Scholastique Mukasonga hier erzählt, ist zwar fiktiv, erklärt Netz, aber dennoch wahrhaftig. Denn alles hätte sich durchaus so zugetragen haben können, meint Löffler: Dass ein kränkliches Mädchen in einem medizinisch schlecht versorgten ruandischen Dorf zu einer schwarzen Heilerin gebracht wird, die sowohl weiße, katholische Missionare als auch schwarze Männer gegen sich aufbringt, in dem sie die Frauen dazu anstiftet, ihre Arbeit und die "eheliche Pflicht" zu verweigern. Und auch, dass diese Heilerin tatsächlich von Männern instrumentalisiert wurde, die sie zur Heilerin aufbauten und an ihr profitierten, bis sie es nicht mehr taten, dass dieselben Männer schließlich den Frauenaufstand niederschlagen, und die Heilerin bei einem "Unfall" umkommen lassen. Mukasonga erzählt davon gekonnt, herrlich trocken und sarkastisch, auch wenn der letzte Abschnitt des Buches etwas langatmig geraten ist, findet Netz. Eine Autorin mit einem wichtigen literarischen Programm, die es deutschsprachigen Raum noch zu entdecken gilt, so die überzeugte Rezensentin.
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