Das Auffälligste am Streit um das Humboldt Forum ist der Streit selbst. Er will nicht enden. Es ist wohl Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet jene völkerkundlichen Sammlungen, die am weitesten von der ungeliebten preußisch-deutschen Vergangenheit wegführen sollten, den Konflikt am Ende doch wieder nach Hause brachten. Denn jetzt wird über die koloniale Verantwortung gestritten und die Frage der Restitution der Objekte.
In all diesen Debatten haben sich die Historiker zu Wort gemeldet, die Kunstwissenschaftler, die Museumsfachleute, die Politiker und nicht zuletzt die Kritiker der nachkolonialen Verhältnisse schlechthin. Nur von denen, die sich von Berufs wegen am besten mit den in Rede stehenden Sammlungen auskennen, von den Ethnologen, war erstaunlich wenig zu hören.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2019
Andreas Kilb empfiehlt das in diesem Band festgehaltene Gespräch zwischen Karl-Heinz Kohl, Fritz Kramer, Johann Michael Möller, Gereon Sievernich und Gisela Völger allen Kulturpolitikern und Aktivisten rund ums Humboldt-Forum. Als Vademekum gegen all die schrillen Töne der Debatte um Kolonialismus und zweifelhafte Provenienzen taugt das Buch auch, versichert er. Sachlich und ohne Rechthaberei führt es die Erfahrungen und Meinungen von Wissenschaftlern und Museumsleuten zusammen, weist Probleme des Projekts nach und sichtet Chancen, erläutert Kilb sichtlich erfreut.
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