Herausgegeben von Uwe Hossfeld, Jürgen John, Oliver Lehmuth und Rüdiger Stutz. Die Universität Jena war eine prominent "rassekundlich" ausgerichtete Forschungs- und Ausbildungsstätte des "Dritten Reiches". Ihre höchst widersprüchliche Geschichte jener Zeit wird hier erstmals interdisziplinär in Form einzelner Studien untersucht. Diese widmen sich nach einem Gesamtüberblick dem Lehrkörper, der Studentenschaft sowie ausgewählten Fakultäten, Fachdisziplinen, Strukturen und Wissenschaftlern. Universitäts- und wissenschaftsgeschichtliche Vergleiche arbeiten spezifische Profile und Milieus, markante Ausbildungs- und Wissenschaftsbeiträge sowie exemplarische Konfliktfelder heraus. Dabei wird deutlich, dass der Wissens- und Kompetenztransfer in Kernbereiche nationalsozialistischer Politik sowie der Kriegsführung und Generalplanung "Ost" sich nicht auf die NS-Aktivisten der sogenannten "kämpferischen Wissenschaft" beschränkte, sondern auch den akademischen Forschungs- und Lehralltag erfasste. Jena wurde zum Modellfall des Wandels von einer traditionell eher philosophisch geprägten zur "lebensgesetzlich-rassisch" und naturwissenschaftlich ausgerichteten Universität.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2004
Nicht rundum zufrieden zeigt sich Frank-Rutger Hausmann mit dem Ergebnis eines Sammelbandes, der sich mit der Universität Jena als nationalsozialistischer Forschungsstätte beschäftigt. Wohl durch die Nähe zur Großindustrie waren in Jena besonders die naturwissenschaftlich-technischen sowie die wirtschaftswissenschaftlichen Fächer ausgeprägt, auch Medizin und Raumplanung genossen besondere Förderung. In 32 Kapiteln werden nun die verschiedenen Fächer, Fakultäten, Institute, Professoren von heutigen Experten des Faches vorgestellt und begutachtet, so Hausmann - im allgemeinen sei das Niveau der Beiträge durchgehend hoch. Allerdings dominiere ein professoraler Ton, der ihn eher stört, auch die 300 Seiten Fußnoten, Register und Statistiken erhöhen nicht die Lesbarkeit, mäkelt der Rezensent. Trotz eines vorzüglichen Einleitungskapitels, das zeige, wie viel die Herausgeber leisten könnten, vermisst Hausmann eine ordnende Hand, die Überschneidungen und Wiederholungen in den verschiedenen Kapiteln ausgleicht. Für ihn hat das durchaus sorgfältig recherchierte und informative Buch immer noch etwas Provisorisches, da es stellenweise größere Lücken aufweist: etwa die Hälfte der Fächer der philosophischen Fakultät fehle, kritisiert er.
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