Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933-1945

Cover: Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933-1945
Oldenbourg Verlag, München 2002
ISBN 9783486566390
Gebunden, 373 Seiten, 64,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Frank-Rutger Hausmann u.a. Die Geschichte der Geisteswissenschaften im Dritten Reich hat erst in jüngster Zeit intensivere wissenschaftliche Zuwendung erfahren. Während Exil und Exilanten früh die Aufmerksamkeit auf sich zogen, blieben die Fächer selbst, aus denen Gelehrte vertrieben wurden, lange Zeit außerhalb des wissenschaftlichen Interesses. Die im vorliegenden Tagungsband vereinten Beiträge zeigen, dass der Kenntnisstand über Verstrickungen einzelner Fächer und ihrer Vertreter in den Nationalsozialismus sich höchst unterschiedlich präsentiert, sich aber dank einer nunmehr offen geführten Diskussion und eines frei zugänglichen Quellenbestandes auch in ostdeutschen Archiven immer mehr zu einem facettenreichen Bild nationalsozialistischer Forschungspolitik verdichtet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2002

Der von Frank-Rutger Hausmann und anderen herausgegebene, auf eine Expertentagung zum Thema zurückgehende Sammelband über die "Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933 - 1945" sucht die Forschung zu den einzelnen Fächern kritisch zu dokumentieren, berichtet Rezensent Stefan Rebenich. Entstanden sei ein "stattlicher Sammelband", "prall gefüllt" mit Gelehrtenbiografien, Quellenzitaten und Statistiken. Als "größten Verdienst" dieser Publikation würdigt Rebenich, dass nicht nur große Fächer wie Anglistik, Germanistik, Geschichts- und Musikwissenschaft, Philosophie oder Psychologie zu Wort kommen, sondern auch kleinere und im wissenschaftlichen Diskurs randständige Disziplinen. "Glanzlichter" sind für Rebenich insbesondere die Beiträge über die Keltologie, die Sportwissenschaft, die Sprachwissenschaft sowie die Ur- und Frühgeschichte. Er betont, dass der wissenschaftsgeschichtliche Kenntnisstand über die einzelnen Gebiete höchst unterschiedlich ist. Insofern erweist sich die Stärke des einen oder anderen Beitrags für Rebenich auch darin, Defizite und Desiderate der bisherigen Forschung aufzuzeigen. Etwas bedauerlich findet er, dass sich nur wenige Autoren mit der Frage nach Kontinuitäten beziehungsweise Diskontinuitäten der Forschung während der NS- und der Nachkriegszeit beschäftigen. Zudem springe ins Auge, dass die historische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Disziplinengeschichte noch immer emotionalisiere und polarisiere. Insgesamt erblickt Rebenich in dem Band dennoch einen "wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Rolle der Universitäten im Dritten Reich".
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