Aus dem Englischen von Max Looser. Ronald Hayman geht in seiner Proust-Biografie einen neuen Weg. Er stellt die äußeren Bedingungen dar, die Proust jenen "inneren Zustand" finden ließen, in dem er die "Recherche" schreiben konnte. Er macht dazu als erster von dem in Deutschland nur wenig bekannten gesamtem Briefwechsel Prousts Gebrauch. In der "Recherche" brachte Marcel Proust aus den Erlebnissen einer einzigen Person eine ganze Gesellschaft zum Sprechen. Prousts Biografen haben meist von seinem Werk auf das Leben geschlossen. Hayman dagegen folgt in der notwendigen Trennung zwischen Leben und Werk Prousts eigener Auffassung, nach der "ein Buch das Erzeugnis eines anderen Ich ist als desjenigen das wir in unseren Gewohnheiten, in der Gesellschaft, in unseren Lastern zutage treten lassen".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2000
Albert von Schirnding bespricht diesen voluminösen Band der Lebensgeschichte mit großer Zustimmung und dem Hinweis, dass seine Lektüre zwar die der "Suche nach der verlorenen Zeit" nicht voraussetzt, dass aber jeder sie nach diesem Buch wohl wird lesen wollen. Der Grund dafür liegt, so von Schirnding, an dem "Sog", den das Buch ausübt. Der Biograf hat die ersten fünfunddreißig Jahre Prousts als "Vorbereitung auf das Hauptwerk" behandelt, "das während der letzten fünfzehn Jahre wie ein riesiges schwarzes Loch alle Lebensmaterie in sich hineinzieht". Haymans Anliegen sei eine Erhellung der lebens- und zeitgeschichtlichen Voraussetzungen, schreibt von Schirnding, und er habe sowohl die Dreyfussaffäre und den Ersten Weltkrieg als auch Prousts Mutterfixierung ausführlich und "mit nüchterner Genauigkeit" nachgezeichnet. Als Quelle hat Hayman dabei weniger das Werk als die außerordentlich umfangreiche Korrespondenz Prousts herangezogen, und Hayman lässt, so von Schirnding, auch die "extravaganten Umstände" des Schreibens nicht aus: die zehnjährige Bettlägerigkeit, die Pelzmäntel, das Aushorchen der Bediensteten, das Asthma-Pulver Legras und die Rattenkämpfe in dem von Proust finanzierten Männerbordell. Der Rezensent zitiert abschließend den Schriftsteller selbst, der gemeint hat, auch Honig würde von der Biene aus Blüten und Exkrementen gesogen, am Ende käme es nur mehr auf die Qualität des Honigs an, - und verweist noch einmal auf die Lektüre des Werks selbst.
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