Ron Epstein-Mil

Die Synagogen der Schweiz

Bauten zwischen Emanzipation, Assimilation und Akkulturation
Cover: Die Synagogen der Schweiz
Chronos Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783034009003
Gebunden, 268 Seiten, 47,20 EUR

Klappentext

Mit 245 Abbildungen. In diesem reich illustrierten Buch werden erstmals die rund dreißig Synagogen der Schweiz systematisch vorgestellt. Dabei geht es nicht nur um die Abbildung ihrer Architektur, die Synagogen werden als Metapher der Veränderung der jüdischen Gesellschaft verstanden. Ron Epstein zeigt auf, wie sich in den Synagogenbauten der Schweiz die Geschichte der Emanzipation ihrer jüdischen Bevölkerung spiegelt.
Mit der rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Juden 1874 wurden die zu planenden Synagogen für die jüdischen Gemeinden zum geeigneten Mittel, ihr neu gewonnenes Selbstverständnis nach außen hin zu manifestieren. Sie dokumentieren die Entscheidungs- und Planungsprozesse der Bauherrschaften und ihrer Architekten, welche bemüht waren, sich mit einem neu zu definierenden Bautypus ein zeitgemäßes Gesicht zu verleihen. Die Kenntnisse über die Geschichte und Entstehung der Schweizer Synagogen ermöglichen es, den jüdischen Kultbauten einen über ihre bloße Erscheinung hinausgehenden Sinngehalt zu vermitteln. Es entstehen neue Einsichten in die Emanzipationsgeschichte der jüdischen Bevölkerung der Schweiz.
Im Gegensatz zu ihren Nachbarländern, in welchen die Französische Revolution die ersten Impulse für die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung gab, setzte die Emanzipation in der Schweiz mit großem Verzug ein. Daher orientierten sich die bauwilligen Gemeinden an den schon zahlreichen im Ausland entstandenen Synagogenbauten.
Der schweizerische Synagogenbau wurde bestimmt durch die spezielle Einrichtung der beiden jüdischen Enklaven Endingen und Lengnau im Kanton Aargau, in welchen er seinen Ursprung fand. Der wesentliche Unterschied zur Entwicklung in den Nachbarländern liegt vor allem darin, dass die Schweiz ein Konglomerat von Kantonen unterschiedlicher politischer und kirchlicher Prägung darstellte. Die Zulassung zum Bau eines neuen jüdischen Gotteshauses wurde zum Prüfstein für das politische System, verfolgten doch die fortschrittlichen Kantone die Trennung von Kirche und Staat. Ein Konzept, das nicht ohne Konsequenzen für die emanzipationswilligen jüdischen Gemeinden blieb.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2008

Als Standardwerk lobt Rezensent Roman Hollenstein diesen aus seiner Sicht längst überfälligen Band über Synagogenarchitektur in der Schweiz, der seinen Informationen zufolge 34 Bauten sowie einige "virtuelle Werke" beschreibt, also Rekonstruktionen inzwischen umgebauter oder zerstörter Bauten oder Innenausstattungen. Die Bauten würden chronologisch nach Entstehen vorgestellt. Auch gebe es fundierte Architektenbiografien und geschichtliche Angaben. Gelobt werden auch Archivverzeichnis und Bibliografie. Sehr positiv findet Hollenstein außerdem, dass sich das Buch weniger mit Bauplänen aufhält und stattdessen dem Leser auch die religiösen jüdischen Traditionen nahezubringen versuche. Die vielen historischen Fotos und anderes, meist bisher nie publiziertes Material in diesem Band hat er trotzdem mit Genuss betrachtet.
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