Aus dem Französischen von Eva Schewe, Gerhard Schewe und Christel Gersch. Mit einem Begleitwort von Peter Handke. Während ihre Landsleute im ersten modernen "Großen Krieg" gegeneinander kämpfen, werden Stefan Zweig und Romain Rolland zu intimen Brieffreunden: Von Rollands europäischer Haltung tief beeindruckt, schrieb Zweig dem französischen Schriftstellerkollegen 1910 einen Brief, der zum Anfangspunkt eines lebenslangen Zwiegesprächs werden sollte. Diese erstaunlichen Schriftstücke gewähren einen intimen Einblick in erlebte europäische (Geistes-)Geschichte und sind zugleich Belege einer großherzigen Freundschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014
Als dokumentiertes Ringen um den Frieden schätzt Rezensent Niklas Bender den Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Romain Rolland. Die intellektuelle Auseinandersetzung der beiden Kulturvermittler an verschiedenen Fronten zwischen 1914 und 1918 findet er höchst spannend. Was für Bender etwas langweilig als gegenseitige Respektsbezeugung und Feier der Harmonie der Menschheit beginnt, wird während des Krieges zum durchaus herben Schlagabtausch, meint er. Dabei zeigt sich ihm Zweig als etwas naiver Vertreter eines obrigkeitshörigen Bürgertums, Rolland hingegen als Realist mit Kalkül. Lesenswert, findet Bender, der auch die "sorgfältige" Übersetzung und Edition lobt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2014
Grundsätzlich freut sich Gustav Seibt sehr, dass an Romain Rolland und Stefan Zweig mit der Neuveröffentlichung ihres Briefwechsels erinnert wird. Beide waren Pazifisten und sich einig: "unser Heil liegt jenseits der Vaterländer", zitiert der Rezensent. Auch liefern die Briefe ein schönes Beispiel für verständnisvollen Austausch über nationale Grenzen hinweg, selbst im Krieg, mit seinen Gräueln und der Pressehetze, so der Rezensent, Rolland und Zweig zeigten "Mitleid für die Wunden des anderen" und bemühten sich, ihre Affekte im Zaum zu halten. Peter Handke um einleitende Worte zu bitten, lag nahe, und ihr Zustandekommen ist ebenfalls erfreulich, findet Seibt - aber sie reichen nicht, beanstandet der Rezensent. Ein umfangreicherer historischer Kommentar hätte Not getan und die großen Fortschritte in der Forschung zu den Ereignissen 1914 hätten ihn auch möglich gemacht, weiß Seibt. Dass die Herausgeber sich dagegen entschieden haben, findet der Rezensent bedauernswert, hätte das Buch doch ungleich lehrreicher sein können.
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