Elfriede Jelinek

Unter Tieren

Cover: Unter Tieren
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498009670
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Die Wege des Geldes sind unergründlich. Trotzdem bestimmt es unser Leben, also verfolgt Elfriede Jelinek hartnäckig seine Spur. Von der Bibel bis zu René Benko, von blanker Gier bis zu raffiniert getarnter Korruption, von Klassenkampf bis zu blutigen und kostspieligen Kriegen reicht die ewig währende Geschichte, die Jelinek diesmal jedoch ganz aus der Sicht von Tieren erzählt. Immer verständnisloser, dafür mit wachsendem Sarkasmus betrachten Kühe, Schweine, Tauben, das Lamm Gottes oder auch der "Für und Widder" uns Menschen dabei, wie wir konsequent an unserem selbst verschuldeten Unglück arbeiten - und am Ende ungebremst und fröhlich in die Apokalypse des Kapitalismus rasen. Denn klar ist in Unter Tieren: Die Welt ist aus den Fugen, und der Finanzmarkt wird es wohl nicht richten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2026

In "Unter Tieren" tut Elfriede Jelinek das, was sie schon immer getan hat, auf ihre unvergleichliche Weise: sie schlägt zurück - gegen die allgemeine Verflachung des Geredes der Leute, so beschreibt Rezensent Paul Jandl die bewährte Jelinek-Methode. Im neusten Roman lässt sie dafür all die fabelhaften Tiere des symbolischen Bestiariums zu Wort kommen: Der schlaue Fuchs, der dumme Esel, der Finanzhai, sie alle geben ihr Wissen und ihre Perspektive zum Besten - auf die Finanzwelt, Korruption, Arbeit, Ausbeutung usw. während die Tauben munter "Picketty, Picketty" gurren. Stringente Argumentationen oder konkrete Kommentare zu konkreten Zusammenhängen sucht man hier zwar vergebens, aber suchen wird danach sowieso niemand, weiß der Kritiker, denn: es ist Jelinek. Stattdessen bekommt die gepflegt kapitalismuskritische Leserschaft genau das, was man von dieser Autorin erwartet: Eine ordentliche und erquickende Textwatsche, einen virtuosen, erbarmungslos aus- und abschweifenden, metaphernreichen Monolog, der sich um Kohärenz nicht kümmert und auch den Kalauer nicht scheut. Die Empörung ihres Publikums über das Beschriebene ist Jelinek sicher, aber ändern wird ihr "Sound für den Dissens" nichts, schließt Jandl.