Das dystopische Versprechen der künstlichen Intelligenz ist die Heimkehr in ein Paradies, in dem unsere eigene Schöpfung unser Gott ist und uns das Erkennen und Entscheiden abnimmt. Algorithmen beherrschen die Welt, so hört man, heute schon und morgen noch viel mehr. Sie sitzen am Steuer selbstfahrender Autos und lenken mehr und mehr gesellschaftliche Prozesse. Wie programmieren wir sie und was passiert, wenn sie sich schließlich selbst programmieren? Die Angst ist so groß wie die Hoffnung und das moralische Dilemma. Dürfen Algorithmen im Ernstfall entscheiden, wer sterben muss? Wird die künstliche Intelligenz dem Menschen den freien Willen nehmen, ihn vor sich selbst schützen und zurück ins Paradies der Entscheidungslosigkeit befördern?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.05.2020
Vera Linß ergreift erst einmal der Schrecken beim Lesen von Roberto Simanowskis Ideen zur Triage. Wie sich der drohenden Herrschaft von KI über menschliches Leben und Sterben begegnen lässt, vermittelt ihr der Autor mit Hegel und Kittler als entspanntes Zurücklehnen. Nachdem die Maschine mit empirischen Daten gefüttert wurde, erklärt ihr der Autor überspitzt, könnten wir uns ebensogut auf die künstliche Entscheidung über Leben und Tod verlassen. Gleiches gelte auch für eine KI-gesteuerte Öko-Diktatur, erfährt die verblüffte Rezensentin. Reizvoll findet Linß solche Vorstellungen trotz ihres Schreckens aber auch, provozieren sie doch kritisches Nachdenken über Technologie, hofft die Rezensentin.
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