Robert Spaemann

Nach uns die Kernschmelze

Hybris im atomaren Zeitalter
Cover: Nach uns die Kernschmelze
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011
ISBN 9783608947540
Gebunden, 107 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Die Nutzung der Atomkraft ist ein Verbrechen. Seit über 50 Jahren spricht sich der Philosoph Robert Spaemann ausdrücklich gegen die Nutzung der Atomenergie aus. Als einer der führenden Skeptiker in dieser Debatte fühlt sich Robert Spaemann weniger durch politische Programme zu seiner Stellungnahme veranlasst, als vielmehr - philosophisch und theologisch - aus ethischen Gründen verpflichtet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2011

Robert Spaemann argumentiert aus der Perspektive eines gläubigen Christen, der sich in vielen Stellungnahmen aber mit sich als links verstehenden, um Nachhaltigkeit besorgten Bürgern einig weiß. Rezensent Uwe Justus Wenzel zollt seinen Argumenten gegen die Atomkraft Hochachtung. Spaemanns Hauptargument ist das der Unrevidierbarkeit der Entscheidung für die Atomkraft, die späteren Generationen Handlungsmöglichkeiten nimmt und sie in Zwänge stürzt. Besonders der über Jahrtausende strahlende und belastende Atommüll repräsentiert ein solches, bereits geschaffenes Faktum, das auch durch den Ausstieg aus der Atomkraft nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist. Wenzel gibt Spaemann weitgehend recht und bewundert seine "Unbeirrbarkeit" - auch dort, wo Spaemann sich von "linken" Weggenossen trennt, weil er auch das ungeborene Leben in seine Ehrfurcht vor allem Lebendigen einschließt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2011

Robert Spaemann hat früh, bereits in einem Aufsatz von 1979, gegen die Kernenergie Stellung bezogen, teilt Stephan Speicher mit. Die erneute Publikation des Textes, zusammen mit einem weiteren Aufsatz, einem Zeitungsartikel und drei Interviews, beschere Klett-Cotta nun so etwas wie "das Buch zum Ereignis" - wenngleich Fukushima nur am Rande vorkommt, so der Rezensent. In der Tat hält er Spaemanns Argumentation für tiefgründiger als so manche tagespolitische Debatte zum Thema. Spaemanns "katholisch inspirierte" Ablehnung der Atomkraft gründe in seiner Kritik an der Objektivierung der Natur durch die neuzeitliche Wissenschaft; in der Konsequenz dieser Kritik beziehe er beispielsweise auch Position gegen die Abtreibung. Dass sich Spaemanns Konservatismus folglich nur bedingt in den Mainstream der gegenwärtigen Kernenergie-Debatte einfügt, hebt der Rezensent hervor; nicht jedoch ohne eine Empfehlung auszusprechen: Wer, über die Angst vor einer Havarie hinaus, "grundsätzliches" Interesse für die Thematik aufbringe, könne hier vieles lernen.

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