Richard Yates

Zeiten des Aufruhrs

Roman
Cover: Zeiten des Aufruhrs
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2002
ISBN 9783421056078
Gebunden, 374 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hans Wolf. Nachwort von Richard Ford. Frank und April, ein Paar, das zu allen Hoffnungen Anlass gibt, talentiert, jung, gutaussehend, er mit einem Job in der City, sie, eine erfolgreiche Schauspielschülerin, widmet sich zunächst noch den eigenen Kindern - in Erwartung des bevorstehenden gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch das Leben hält anderes bereit: Frank verstrickt sich in eine Affäre, April erstickt im Vorstadtmuff, und ihre Träume werden immer verstiegener. Wie lange werden sie die Illusion aufrechterhalten können? Alles steuert auf eine Katastrophe zu. Mit psychologischer Genauigkeit und literarischer Finesse beschreibt Richard Yates die Zerstörung eines Traumes, der von Anfang an Selbstbetrug war. In Amerika gehört Richard Yates Roman 'Zeiten des Aufruhrs' zu den modernen Klassikern.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2006

Michael Schmitt ist froh, dass Richards Yates' lange Zeit weitgehend unbekannte Werke jetzt, vierzehn Jahre nach dessen Tod, auch für deutschsprachige Leser erscheinen. Denn Yates' großartige Beobachtungsgabe und präzise Beschreibung der Charaktere sollten keinem vorenthalten werden. Schmitt ist beeindruckt, wie der Autor seine Figuren mit all ihren Schwächen so darstellt, dass der Leser sie trotzdem nicht dafür verurteilt und auf diese herabschaut, sondern sich stattdessen mit ihnen identifiziert. In dem Roman "Zeiten des Aufruhrs", der in den Vereinigten Staaten bereits Anfang der sechziger Jahre erschien, protokolliere der Autor äußerst detailliert und ungeschönt das Alltagsleben in einem New Yorker Vorort. Schmitt ist begeistert von diesem Porträt der amerikanischen Gesellschaft, die zu jener Zeit enorme Veränderungen erlebte: Man hatte plötzlich mehr Freiheiten, konnte aber auch sehr schnell einsam werden. Ebenso eingenommen ist der Rezensent von der Übersetzung von Hans Wolf, die Yates' Genauigkeit beim Erzählen auch im Deutschen bewahrt hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.03.2003

Mit "Zeiten des Aufruhrs" stellt Marion Lühe einen Klassiker vor, der in seiner Heimat Amerika Kultstatus genießen soll. Der bereits 1961 im Original erschienene Roman zeichnet das Psychogramm einer Ehe, die von vornherein den Keim des Scheiterns ins sich trägt. Lühe bemerkt erstaunt, dass der Roman überhaupt nicht angestaubt wirkt. Das ist zum einen sicherlich der gelungenen deutschen Übersetzung zu verdanken, die Lühe lobend erwähnt, zum anderen verdankt sich dieser Umstand vermutlich der luziden Demontage des amerikanischen Traums eines Mittelstandslebens und einer Mittelstandsehe, der weit über die sechziger Jahre hinaus das amerikanische Selbstbild beeinflusste. Lühe weist darauf hin, wie hellsichtig Yates bestimmte Entwicklungen, von denen wir heute wissen, vorab beschreibt: die Lockerung der Moralvorstellungen, die Technisierung der Arbeitswelt, das Fernsehzeitalter. Yates' Roman ist jedoch nicht nur beeindruckend aufgrund seiner messerscharfen Analyse, erklärt Lühe begeistert, sondern auch von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2002

Trotzt der "Aufregung", die das Buch bei seinem Erscheinen 1962 auslöste und das jetzt in seiner Neuübersetzung vorliegt, wurde es kein Verkaufshit, weiß Michael Schmitt zu berichten. Mit seinen weiteren Romanen sei dem amerikanischen Autor nie wieder ein "ähnlich eindringliches" Buch gelungen, lobt der Rezensent die Geschichte über ein Ehepaar, das sich nach dem Verbleib seiner Jugendträume fragt und sich vergeblich nach einem Ausbruch aus der faden Bürgerlichkeit sehnt. Wenn die Darstellungsweise aus heutiger Sicht mitunter auch etwas "breit" und plakativ wirke, sei der "Vorbildcharakter", den das Buch für die Schriftstellerkollegen seiner Zeit hatte, nicht zu unterschätzen, räumt Schmitt ein. Und auch wenn man die Protagonisten nicht unbedingt ins Herz schließt, spüre man doch, wie nah sie einem sind, meint der Rezensent, der in dem Roman nicht zuletzt demonstriert sieht, dass das Leben "immer nur die banalsten aller ungünstigen Wendungen nimmt", zumindest im Amerika der 50er Jahre, in denen das Buch spielt.
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