Justin Martin

Alan Greenspan

Der Hohepriester des Geldes
Cover: Alan Greenspan
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2001
ISBN 9783421054999
Gebunden, 320 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Seit 13 Jahren ist Alan Greenspan Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, und es können leicht 16 werden. Greenspan, mittlerweile 74 Jahre alt, gilt als Architekt und Garant des Wachstums in den USA mit Vollbeschäftigung, Preisstabilität und einer Hausse am Aktienmarkt. Wenn der hagere, leicht gebeugte Mann mit dem schütteren Haar ans Rednerpult huscht, wägen die Finanzmakler jede Silbe einzeln. Justin Martin zeigt uns den Hohepriester des Geldes, wie ihn nur wenige kennen: lebenslustig, witzig, mit einer Leidenschaft für Tennis, Saxophon und morgendliche ausgedehnte Aufenthalte in der Badewanne, dabei ein ausgezeichneter Ökonom, promoviert und detailbesessen. Martin hatte Zugang zu Greenspans Familie und Freundeskreis, darunter Henry Kissinger, Gerald Ford und Milton Friedman.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2001

In einer Doppelrezension bespricht Claus Tigges zwei Bücher über Alan Greenspan, die sich seiner Ansicht nach recht gut ergänzen.
1.) Bob Woodward: "Greenspan" (Europa Verlag)
Wie der Leser erfährt, liegt der Schwerpunkt dieses Buchs auf Greenspans Zeit als Notenbankchef. Privates tritt also demnach hier in den Hintergrund. Woodward stützt sich dabei, so Tigges, auf "nicht näher genannte Informanten aus dem politischen Apparat". Doch diese Anonymität schadet dem Buch seiner Ansicht nach offenbar nicht. Vielmehr findet Tigges, dass das Buch recht deutlich aufzeigt, wie sehr die amerikanische Geldpolitik von Greenspan in den letzten Jahren geprägt wurde und wie erfolgreich er darin war, seine Vorstellungen auch gegen erbitterte Widerstände im geldpolitischen Rat durchzusetzen. Gut gefallen Tigges auch die hier beleuchteten Hintergründe im Zusammenhang mit dem Börsen-Crash 1987 und den damaligen Vorgängen in der Fed, dem Finanzministerium und dem Weißen Haus. Bedauerlich findet der Rezensent lediglich die bisweilen etwas "holprige Übersetzung, verbunden mit einigen sachlichen Ungenauigkeiten".
2.) Justin Martin: "Alan Greenspan" (Deutsche Verlags-Anstalt)
Anders als Woodward beschäftigt sich Martin hier vor allem mit dem Privatmann Greenspan, seiner Kindheit und Jugend, seine Hobbys, Bekanntschaften und Prägungen, erklärt der Rezensent. Und so erfahre man "anschaulich und interessant" etwas über Greenspans Verhältnis zu seiner Mutter, seine Abneigung gegen Richard Nixon, aber auch über seine "Liebe zum Baseball und zur Musik". Martin wartet hier nach Tigges' Ansicht auch mit einiges Überraschungen auf, die er offenbar besonders Greenspans ehemaligen Klassenkameraden zu verdanken hat. Der Rezensent betont allerdings ausdrücklich, dass das Buch nicht nur aus Anekdoten besteht, sondern durchaus auch sachliche Hintergrundinformationen zu "politischen und wirtschaftlichen Ereignissen" bietet, bei denen Greenspan mitgewirkt hat. Im Vergleich zum Band Woodwards registriert Tigges hier einen etwas "sorgsameren" Umgang mit ökonomischen Zusammenhängen. Zwar hat er auch hier einige wenige Ungenauigkeiten bemerkt, doch tue dies der Qualität dieses Bandes insgesamt keinen Abbruch.