Richard Swartz

Adressbuch

Geschichten aus dem finsteren Herzen Europas
Cover: Adressbuch
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446205772
Gebunden, 200 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Richard Swartz, der einen Teil seines Lebens in Mitteleuropa verbrachte, erzählt von den Menschen, die ihm dort begegnet sind. Da ist der kleine Fotohändler Kralik, der auf seiner Flucht vor den Tschechen nach dem Krieg im österreichischen Mühlviertel hängen blieb, obwohl er sich sein ganzes Leben lang nach den böhmischen Wäldern sehnt. Oder der alte Kantor Ernster im ehemaligen Siebenbürgen, der an seiner eigentümlichen Sprache festhält, obwohl ihn in seiner Umgebung niemand mehr verstehen kann. Europäische Geschichten über das Thema Heimat und Fremde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.07.2005

Der schwedische Journalist Richard Swartz war wieder in Europa unterwegs - und, wie es seine Art ist, eher in den Hinterhöfen und Gassen als auf den Boulevards. Er hat an der österreichischen Grenze nahe Böhmen einen Sudetendeutschen getroffen, der sein Schaufenster der Vergangenheit hinterherdekoriert. Er hat sich in einem Prager Studentenwohnheim unter afrikanische Studenten begeben und sieht sich heftig rassistischen Äußerungen tschechischer Studenten ausgesetzt. Was diese Texte, die "zwischen Reportage und persönlichem Bericht changieren", auszeichnet, ist, so Marion Löhe, vor allem der Sinn für "skurrile Figuren", die dem Blick des Beobachters auch abseitige Wirklichkeiten aufschließen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2005

Journalist, bleib bei deinen Reportagen, ruft Jörg Plath laut und deutlich. Vor allem, wenn sie so gut sind wie Richard Swartz' Texte aus Osteuropa. Doch der Schwede, so Plath, möchte auch Literat sein, genauer gesagt: "Literat in osteuropäischer Tradition". Und er meint, dass dazu etwas "Unausprechliches" gehört, ein erzählerisches Kreisen um ein Geheimnis. Doch erkennt Plath in Swartz' Bemühungen vor allem ein allzu angestrengtes - und leicht durchschaubares - Raunen; die Geschichten, schreibt er, wirken "literarisch überinstrumentiert, denn das Unausgesprochene ist für den Leser kein Geheimnis. Es liegt auf der Hand." Fazit: "Richard Swartz treibt umständlich Geheimniskrämerei."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2005

In "Adressbuch", dem neuen Buch des schwedischen Journalisten und Schriftstellers Richard Swartz, reist der Ich-Erzähler zu verschiedenen Orten in Mittel- und Osteuropa. Dabei bleibt er länger als für seine Arbeit nötig ist, ohne seine Distanz und sein Gefühl für seine Fremdheit aufzugeben, erklärt Volker Breidecker. In sieben Erzählungen berichte dieser "unaufdringliche, zurückhaltende" Erzähler von Menschen, die von der "großen Geschichte" des letzten Jahrhunderts gezeichnet sind. Ihn beeindruckt die "Wahrhaftigkeit", mit der sie von ihren "Wunden und Narben" erzählen und die seiner Meinung nach dadurch jedem "neutralen und distanzierten Bericht" überlegen sind. Zudem bleibe bei jeder der Geschichten am Ende ein "Rätsel" zurück. Breidecker sieht den Autor als einen "rabenschwarzen Melancholiker", der sich dabei auch als "Meister" der Allegorie erweist. Als die beste Erzählung in diesem beeindruckenden Band preist der Rezensent den Text "Fell und Leder", in der Swartz die Geschichte seines Großvaters erzählt, der in den beiden Weltkriegen ein Vermögen mit Lederstiefeln machte. Breidecker lobt den Band insgesamt als einen "Triumph der Literatur im Journalismus" und bewundert insbesondere, wie "ungeschützt" sich der Autor den verschiedenen Orten und Menschen aussetzt, über die er schreibt.
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