Das Szenario: Der aktenkundige Ritualmord von Polna, einer kleinen Stadt an der böhmisch-mährischen Grenze, im Jahr 1899. Doch dieser Mord an einer jungen Frau hat so, wie er in den Dokumenten überliefert ist, nie stattgefunden. Er ist eine Erfindung der antisemitischen Presse und nationalistischen Politiker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2001
Der Jude als Sündenbock. Das Grundthema ist bekannt. Auch der österreichische Journalist und Schriftsteller Peter Zimmermann nimmt sich in seinem Roman, der auf einen historischen Kriminalfall zurückgeht, dieser Problematik an. In prägnanten Szenen erzähle der Autor, wie aus einem ungeklärten Mord eine rassistische Kampagne gemacht wurde, berichtet Günther Stocker. Interessanter als die Rahmenhandlung findet der Rezensent die Charakterisierung der Romanfiguren. Zimmermann führe ein ganzes Kabinett von historischen Figuren, schrägen Gestalten des ostböhmischen Provinzortes Polna sehr plastisch vor. Verklärt werde hier nichts. Im Gegenteil. Der Roman sei zwar kein Neuentwurf des historischen Romans, aber dafür eine von Beginn an spannende Reise durch die Abgründe der Donaumonarchie, meint Stocker.
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