Riad Sattouf

Der Araber von morgen

Eine Kindheit im Nahen Osten. Band 1 (1978-1984)
Cover: Der Araber von morgen
Albrecht Knaus Verlag, München 2015
ISBN 9783813506662
Gebunden, 160 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andreas Platthaus. Arabischer Frühling, Umsturz in Libyen und Krieg in Syrien. Als Reaktion darauf greift der 36-jährige französische Zeichner und Filmemacher Riad Sattouf zum Stift und erzählt von seiner Kindheit in der arabischen Welt: ein blondgelockter Junge, Sohn einer Französin und eines Syrers, wächst in Libyen und Syrien auf. Die Graphic Novel vom blonden Araber im Land der Diktatoren stürmte in Frankreich die Bestsellerlisten wie zuvor nur Marjane Satrapis Persepolis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2016

Rezensent Christian Gasser hat größten Respekt vor Riad Sattouf. Wie der Comic-Autor, der auch für "Charlie Hebdo" zeichnete, in diesen beiden ersten Bänden seiner autobiografischen Graphic Novel seine Kindheit in Syrien unter dem Regime Assads veranschaulicht, findet der Kritiker schlicht genial: Egal, ob Sattouf die Spannungen zwischen seinem wankelmütigen, aber konservativ-patriotischen Vater und seiner französischen Mutter bebildert oder sich an die eigenen Erfahrungen mit antisemitischen Anfeindungen auf dem Schulhof erinnert - nie verlässt Sattouf die kindlich-naive Perspektive, lobt der Rezensent. Insbesondere aber bewundert Gasser den unbedingten und im besten Sinne unangebrachten Witz des Autors, dessen Werk bedeutend zum Verständnis der aktuellen Situation in den arabischen Ländern beitrage.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.04.2015

Andreas Fanizadeh scheint dieser erste Band von Riad Sattoufs Kindheitsgeschichte erfrischend und amüsant, wie nur die Kinderperspektive die Schwierigkeiten, die Hoffnungen und Enttäuschungen eines Arabers auf der Suche nach der eigenen Identität in Libyen, Syrien und Frankreich fassen kann. Tiefreichend und humorvoll beschreibt der Comic laut Rezensent episodisch die Lebensstationen der Familie zwischen 1978 und 1984, das Schwanken des Vaters zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Omnipotenz, Libertinage und Tradition. Ob der Autor die sunnitisch-arabische Kultur auf die Schippe nimmt oder Gerüche und Tischsitten in den verschiedenen Ländern beschreibt - sichtbar wird für Fanizadeh in Sattoufs an der Ligne claire orientierten Tableaus der südliche Mittelmeerraum einer ferneren Zeit ohne Globalisierung und Internet.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.03.2015

Henryk M. Broder kennt nicht allzu viele selbstkritische Muslime, wie es aussieht. Einige nennt er: Salman Rushdie, Ibn Warraq und Taslima Nasrin. Und Riad Sattouff, der zudem kein Exilant ist, wie Broder betont. Wenn der Zeichner mit einem syrischen Vater und einer französischen Mutter in seinem im Mai 2014 in Frankreich erschienenen, bei uns kurz nach den Anschlägen von Paris veröffentlichten Comic die eigene Familiengeschichte anhand eines Jungen mit Schmollmund erzählt, sucht Broder die Auseinandersetzung mit dem Terror darin vergebens. Für Broder handelt es sich um die Geschichte des Kaisers mit den neuen Kleidern, die der Autor hier erzählt. Dass dabei die Zustände in Libyen, wo Sattouf lange Zeit lebte, gnadenlos aufs Korn genommen werden, scheint Broder so bemerkenswert wie folgerichtig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.02.2015

Erst kurz vor dem verheerenden Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo hat Riad Sattouf seine jahrelange Kolumnistentätigkeit aufgegeben, um sich ganz seinem Comic "Der Araber von morgen" widmen zu können, weiß Christian Bos und ist froh, dass der Autor so am Leben geblieben ist und sein Buch fertigstellen konnte. Um eine autobiografische Bildererzählung à la Marjane Satrapis "Persepolis" handelt es sich, berichtet der Rezensent, nur dass es hier nicht um Iran und Österreich, sondern Libyen, Syrien und Frankreich geht. Sattouf würzt die eigene ungewöhnliche Lebensgeschichte mit "beißenden Beobachtungen" und schildert die "arabische Welt als absurde Familien-Komödie", fasst Bos sehr angetan zusammen.
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