Klappentext
Aus dem Französischen von Rike Bolte. Du wirst allein sein in der großen Nacht ... Diese Prophezeiung bekommt das junge Mädchen, das nur Tête Fêlée, etwa "Spinnerin" genannt wird, ständig von "Papa" zu hören, der freilich gar nicht ihr Vater ist. Immerhin hat er als bester Söldner des "Metall-Engels" Karriere gemacht, während ihre Mutter sich prostituieren muss. Als die Mutter ungewollt einen Coup des Metall-Engels vereitelt, kommt eine Lawine in Gang ...Tête Fêlées Erzählung pendelt zwischen den Erfahrungen von Gewalt, Übergriffen und unmöglicher Kindheit in den Slums von Port-au-Prince und dem immer wieder neu begonnenen Brief an eine Mitschülerin, in die sie verliebt ist. Diese Liebe ist jedoch nicht ihr einziges Geheimnis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2025
Rezensent Cornelius Wüllenkemper preist das Debüt des Haitianers Jean d'Amerique als magische, unheilvolle Geschichte, die mit ihrer Aneinanderreihung von Gewalt und Leid nah an der Groteske wandelt, wie er findet. Die Fantasie und die sprachliche Wucht der Geschichte ("erfinderisch" übertragen von Rike Bolte) um ein Mädchen aus dem Slum, das zwischen Bandengewalt und Missbrauch, Unterdrückung und Angst aufwächst und sich zu behaupten versucht, scheinen Wüllenkemper bemerkenswert. Gegen die poetische Überhöhung des Elends hat er nichts einzuwenden, schließlich entstammt der Autor selbst dieser albtraumhaften Lebenswelt. Die Balance aus Sarkasmus und kindlicher Unschuld scheint dem Rezensenten überdies für ein wahrhaftiges Bild der Lage in Haiti zu sorgen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.01.2025
"Schön und schmerzhaft zugleich", albtraumartig, poetisch, voller Lebensdrang, voller Trauer und voller Gewalt - so ist Jean D'Amèriques Literatur, genau wie die Welt, von der sie erzählt, berichtet Rezensent Andreas Baum. Die Härte und Direktheit, mit der der haitianisch-französische Autor und Rapper den Alltag, das Zusammenleben oder genauer gesagt Gegeneinanderleben in seiner Heimat beschreibt, empfindet Baum als Zumutung, eine notwendige Zumutung allerdings! Denn um die junge Protagonistin Tete und ihre Entscheidungen zu verstehen, um mit ihr mitfühlen und -leiden zu können, um zu begreifen, was es bedeutet, in einer Welt aufzuwachsen, in der Gewalt, Armut und Tod so allgegenwärtig sind, braucht es diese Härte, glaubt der Rezensent. Und doch erkennt Baum auch eine spezielle Feinheit in Amèriques Sprache, eine Sinnlichkeit, mit der der Autor sich unverkennbar in die Tradition der lateinamerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts stellt. Mit diesem burtal-poetischen Erzählton gibt D'Amèrique Tete und anderen Menschen wie ihr eine starke, authentische Stimme, so der berührte Rezensent.