Marcel Rufo

Geschwisterliebe - Geschwisterhass

Die prägendste Beziehung unserer Kindheit
Cover: Geschwisterliebe - Geschwisterhass
Piper Verlag, München 2004
ISBN 9783492045292
Gebunden, 249 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit mit Christine Schilte. Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke. Einen Bruder oder eine Schwester zu haben kann die Hölle sein, aber auch ein fabelhaftes Glück. Der französische Kinderpsychologe Marcel Rufo nimmt in seinem neuen Buch das Geschwisterverhältnis unter die Lupe und geht allen wichtigen Fragen auf den Grund: Ist es vorteilhafter, der Ältere oder der Jüngere zu sein? Haben Eltern ein Lieblingskind? Wie verstehen sich Brüder und Schwestern in den verschiedenen Lebensphasen? Muss es chronische Hassliebe sein? Wie nah dürfen sich Geschwister kommen?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Barbara Sichtermann weiß die zupackende Art des französischen Psychologen und Erfolgsautors Marcel Rufo zu schätzen: Der Mann sichert sich nicht mit Netz und doppeltem Boden ab, tut nicht so, als ob er die objektive Wahrheit vertritt (die gibt es nämlich nicht), sondern er "erzählt, wägt ab, durchdenkt, fasst zusammen". Er hat ein Ziel (ein Erziehungsziel: "die Stärkung der kindlichen Persönlichkeit ... als Voraussetzung für konfliktfreie Ablösung und Selbstständigkeit.") und vertritt seine Meinung. Eltern, empfiehlt er, sollten Konflikte zwischen Geschwistern zulassen und darauf achten, jedes ihrer Kinder seiner Einzigartigkeit entsprechend zu behandeln. Das Wichtigste, fasst die Rezensentin zusammen, ist Eigenständigkeit, und Konflikt ist dafür wichtig. Natürlich, räumt sie ein, ist es komplexer als von Rufo dargestellt - wenn man allein an die verschiedenen Möglichkeiten geschwisterlicher Konstellationen denkt. Doch Rufos Ratschläge sind deshalb nicht weniger richtig, und vor allem: Sie sind eine wirkliche Richtlinie, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2004

Als "Schlachtfeld der Evolution" schildert Marcel Rufo in seinem Buch Familien mit mehreren Kindern, berichtet Gisa Funck. Ausgehend von Sigmund Freuds These, dass die Geburt eines neuen Familienmitglieds für die Älteren eine "traumatische Enthronung" sei, beleuchte der Autor das Konkurrenzverhalten unter Geschwistern, so Funck, und zeichne dabei ein "sehr darwinistisches Bild der Kinderstube". Rufo warte mit durchaus staunenswerten Beispielen dafür auf, mit welch kuriosen Waffen die Geschwister um die Aufmerksamkeit der Eltern ringen: so sei es einem Dreijährigen gelungen, aus Rivalität gegen den jüngeren Bruder durch "reine Willenskraft" ein Jahr lang nicht mehr zu wachsen, referiert die Rezensentin. Obwohl Rufos Buch - wohl wegen seines psychoanalytischen Ansatzes, wie die Rezensentin vermutet - "die späten Jahre des schwesterlichen und brüderlichen Zusammenlebens vernachlässigt", empfiehlt Funck es als Elternrategeber, der durchaus "hilfreiche Anregungen zur Erziehung" vermittelt.