"Lesenswert und lehrreich zugleich" findet Michael Epkenhans die Studie von Rene Schilling. Aufbauend auf einer "profunden Kenntnis" der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Normen und Ziele veranschauliche Schilling die Bedeutung des Kriegsheldenkultes im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts. Zunächst ein "bürgerliches Phänomen", wurde die Verehrung später im Sinne des Staates umfunktioniert, ab 1933 diente sie schließlich als Element der Herrschaftslegitimation der Nationalsozialisten. Mit "viel Gespür für Nuancen", schreibt Epkenhans, gelinge es dem Autor zu zeigen, wie gefährlich die öffentliche Inszenierung von Kriegshelden ist, weil der Krieg ästhetisiert wird und damit wieder "führbarer" erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2003
In seiner Studie "Kriegshelden" untersucht René Schilling Kontinuität und Wandel des Heldenbildes von den Befreiungskriegen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, berichtet Rezensent Peter Reichel. Der Heldenkult habe im Ersten Weltkrieg nicht nur einen Höhepunkt, sondern auch einen Wendepunkt erlebt, referiert Reichel den Autor: Das emanzipatorische, liberalnationale Leitbild des patriotischen "Bürgerhelden" wurde durch das des kompromisslos-kampfbereiten "charismatisch-kriegerischen Volkshelden" (Schilling) zurückgedrängt. Ein entscheidender Wertwandel: "Das Militärische", hält Reichel fest, "galt nun als der Ort männlicher Charakterbildung und Selbstverwirklichung schlechthin, und der Krieg als legitimes Mittel nationaler Selbstbehauptung und gesellschaftlicher Erneuerung." An diese, tendenziell antisemitisch aufgeladenen, Vorstellungen habe das NS-Regime mühelos anschließen können. Dessen Ende markierte zwar offiziell die Entwertung des "Opferhelden". In einem Ausblick zeige Schilling jedoch, dass sich zumindest auf lokaler Ebene zum Beispiel die Berufsoffiziere von Richthofen und Weddigen spätestens mit der westdeutschen Wiederaufrüstung "vielfältiger, ehrender Erinnerung" erfreuten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.03.2003
Ulrike Baureithel hat zu Rene Schillings Studie über die Deutung von Männlichkeit und Heldentum einige kritische Punkt anzumerken. Schillings "fast zu materialreich belegte, nicht sehr elegant aufbereitete und gelegentlich ermüdend zu verfolgende" Darstellung sei zwar im Großen und Ganzen schlüssig, aber nur "solange man seinen Interpretationsvorgaben folgt". So vernachlässige der Autor in der Konzentration auf seine personenbasierte Untersuchungsmethode manchmal die Begebenheiten der "realen" Welt, etwa den Emanzipationsschub durch den Ersten Weltkrieg. Zudem, tadelt Baureithel, übernimmt Schilling "unhinterfragt" die These der sich polarisierenden Geschlechtscharaktere von Karin Hausen. Auch der offene Ausblick, der kaum Handfestes über die zukünftige Entwicklung des Heldenbildes liefert, kann die Rezensentin nicht befriedigen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…