Der 9. November 1989 ging in die Geschichtsbücher ein: Die auf einer Pressekonferenz der DDR-Regierung irrtümlich verlesene Mitteilung, Reisen in den Westen seien ab sofort möglich, löste einen Sturm auf die Berliner Mauer aus, dem sich die Grenzsoldaten nicht widersetzen konnten. Nach 28 Jahren öffnete sich der Eiserne Vorhang. Wer die Nacht, in der die Mauerfiel, nicht verschlief, feierte auf den Straßen von Berlin. Dreißig Autoren aus Ost und West lassen die historische Nacht Revue passieren. In persönlichen Texten, die eigens für dieses Buch geschrieben wurden, erzählen sie, was sie erlebten, was sie fühlten und wie sie sich heute daran erinnern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009
Zusammen mit Julia Francks Anthologie zum Jahrestag des Mauerfalls bietet der von Renatus Deckert herausgegebene Band der Rezensentin ein umfangreiches Erinnerungsbild jenes 9. Novembers 1989. Die 25 auf Deckerts Ausgangsfrage nach dem eigenen Tun am angegebenen Datum hin eingegangenen Schriftsteller-Beiträge geben laut Felicitas von Lovenberg Zeugnis von der Ahnungslosigkeit der Zeitzeugen, gleich ob Ost oder West. Auch Staunen und Skepsis meint die Rezensentin aus den Erinnerungstexten herauszulesen und bei den Westautoren immer wieder das Gefühl, bloß Gast der Ereignisse gewesen zu sein (so bei Detlef Kuhlbrodt). Auf Lovenberg wirkt das wohltuend. Anders als vermutet kann sie sich gar nicht sattlesen an den individuellen Geschichten, die "meist quer" zur großen Geschichte stehen und der Rezensentin gerade auf diese Weise die friedliche, sinnvolle Veränderbarkeit der Welt beglaubigen.
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