Über Nacht machte sie 1953 der Gedichtband "Die gestundete Zeit" zur gefeierten Schriftstellerin. Seit sie ein Jahr zuvor bei der Gruppe 47 gelesen hatte, war Ingeborg Bachmann zu einer Stimme in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur geworden, deren Bedeutung rasch wuchs und deren Klang unverwechselbar bleiben sollte. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten bestimmte Ingeborg Bachmann das literarische Leben in Deutschland auf nachhaltige Weise. Freunde und Zeitgenossen, von Joachim Kaiser bis Hans Werner Henze, schreiben hier von der Dichterin und der Frau; Lyriker und Schriftsteller unserer Tage von Marcel Beyer und Norbert Niemenn bis zu Judith Kuckart erzählen von ihrem ganz persönlichen Verhältnis zu einer Autorin und ihrem vielschichtigem Werk.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2001
Die Rezensentin hat ihre Favoriten unter den hier zusammengetragenen Erinnerungstexten, Hommagen und Nachdichtungen, und vor allem kennt sie ihre Pappenheimer (Joachim Kaiser, Franzobel u.a.), denen der überdimensionale Schatten der Person Ingeborg Bachmann noch immer das Werk verdunkelt. Einer ganzen Reihe von Texten in diesem Band fehle die Distanz bzw. nur "das bisschen Verweigerungshaltung, um biografisch begründete Interpretationszwänge und Klischeebilder zurückzuweisen", schreibt Cecilia Dreymüller, sehr wenige kämen zudem ohne "latent moralisierendes Fragezeichen" aus. Andere wieder (Thomas Kling, Ulrike Draesner) verraten der Rezensentin "das Begehren, ein Idol vom Sockel zu holen." Der Beitrag von Peter Demetz etwa oder die "originelle Annäherung" von Dagmar Leupold, die mit der Dichterin Tee trinkt, sind ihr da eine Wohltat.
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