Diese Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert bietet eine Einführung in alle wichtigen politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen des Islam vom Beginn der Entkolonialisierung bis zur Gegenwart. Das Standardwerk wurde für die Sonderausgabe vom Autor aktualisiert und um ein Kapitel für die Zeit von 1994 bis Oktober 2001 erweitert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2002
Ludwig Ammann hält Reinhard Schulzes islamische Ideologiegeschichte für eine ebenso anregende wie zwiespältige Angelegenheit. In seiner ausgesprochen kenntnisreichen, manchmal allerdings schwer nachvollziehbaren Besprechung lobt Ammann, dass der Berner Islamwissenschaftler Schulze mit vielen Fakten und atemberaubenden Szenenwechseln (von Marokko bis Indonesien) einige "blinde Flecken" fülle. So findet der Rezensent vor allem die islamische Wende in der Politik und den nicht zuletzt durch Petrodollars geförderte Durchbruch der islamischen Öffentlichkeit in den siebziger Jahren gut dargestellt. Auch das in der aktualisierten Fassung hinzugefügte Kapitel über "Post-Islamismus" trifft Ammanns Meinung nach in vielen Punkten den Nagel auf den Kopf. Doch insgesamt erscheint dem Rezensenten die "beschwerliche Fülle des Werkes von tückischer Selektivität". Die säkulare Türkei etwa tauche überhaupt nicht auf. So schließt Ammann: "Widersprüche, Begriffsunschärfen und ein erschreckend naiver Umgang mit scheinpräzisen Zahlen können einem die Lektüre vergällen."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2002
Erst mit dem 11. September wurde deutlich, wie wenig wir über den Islam wissen, stellt der Rezensent mit dem Kürzel "vss" fest. Reinhard Schulzes Untersuchung zur Geschichte des Islam im 20. Jahrhundert betrachtet der Rezensent daher als wichtigen Verdienst. Diese gestaltet sich nämlich, weiß "vss", gar nicht so einfach: Pauschal lasse sich der Islam nicht betrachten. Schulze hat es daher mit seinem Unterfangen nicht leicht gehabt. Auch wenn der Rezensent ein paar Schwächen des Bandes wie fehlende Anmerkungen zu den unterschiedlichen Wirtschaftsformen der islamischen Länder und manche sehr allgemein gehaltene Aussagen bemängelt, möchte er damit den "Wert des Buches nicht schmälern". Denn schließlich sei es das erste, mit dem sich der Leser näher über "eine sich eigenständig ausbildende Welt" informieren könne, meint "vss".
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