Mit 47 Photographien und 25 Zeichnungen des Autors. Mit einem Nachwort von Navid Kermani. Die marokkanische Stadt Fes war für den Orientalisten und Kunsthistoriker Titus Burckhardt Inbegriff der idealen islamischen Stadt, in der Religion, Gesellschaft und Wirtschaft eine stimmige Einheit bilden. Indem er Fes mit seinen Moscheen und Häusern, Handwerkern und Händlern, Gelehrten und Heiligen beschreibt, bietet er dem Leser zugleich ein eindrucksvolles Panorama der islamischen Zivilisation insgesamt. Ein Meisterwerk der literarischen Kulturgeschichtsschreibung. Eine Stadt, die sich ihre jahrhundertealte Ordnung bewahrt hat, von modernen europäischen Einflüssen unberührt, trotz des französischen Protektorats selbstbewusst in sich und der Religion ruhend - so sah Titus Burckhardt Fes, als er die Stadt in den 1930er Jahren besuchte und lange blieb. In den fünfziger Jahren kehrte er zurück, entdeckte kaum merkliche Zeichen einer Veränderung und hielt das Leben der Stadt in seinem grandiosen Buch fest. Mit seinen Einblicken in Moscheen und Privathäuser, die dem Fremden sonst verschlossen sind, mit ausführlichen Zitaten klassischer arabischer Autoren sowie mit zahlreichen historischen Fotografien ist das Buch ein einzigartiges Dokument einer islamischen Kultur, die im 20. Jahrhundert versunken ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2015
Als guten Wegweiser für einen Besuch der Stadt Fes und Anstoß zum Nachdenken über Moderne und Islam versteht Christian H. Meier Titus Burckhardts erstmals bereits 1960 erschienenes Buch. Gut tut dem Rezensenten der unkatastrophische Blick auf die arabisch-islamische Welt und den Mikrokosmos Fes. Wie Religion und Alltag eine harmonische, über das Individuum hinausgreifende Einheit bilden, erfährt er hier, und auch, wenn ihm die sinnliche Annäherung des Autors an die Stadt mitunter allzu erbaulich und unkritisch, verwirrend und widersprüchlich erscheint, so kann er darin doch immer auch die Stadt selbst wiedererkennen. Was das Buch eigentlich ist, Stadtgeschichte, Reportage, Abhandlung über den Sufismus, vermag der Rezensent nicht zu sagen, zu viele Wendungen nehmen Stil und Thema, meint er.
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