Reinhard Laube

Karl Mannheim und die Krise des Historismus

Historismus als wissenssoziologischer Perspektivismus. Dissertation
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783525351949
Gebunden, 676 Seiten, 92,00 EUR

Klappentext

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schuf sich die moderne Gesellschaft eine Form der Selbstbeschreibung, die bis heute aktuell ist: die Wissenssoziologie. Sie ist ein Produkt der Debatten um die Krise des Historismus, in der die Geschichtskultur des 19. Jahrhunderts an Überzeugungskraft verlor und perspektivisches Wissen zum Signum der Zeit wurde. Reinhard Laubes Untersuchung demonstriert am Werk des ungarisch-deutschen Soziologen Karl Mannheim (1893 - 1947) exemplarisch, wie ein Klassiker der Soziologie zum Produzenten einer klassischen Problembeschreibung - nämlich der Wissenssoziologie - wird, indem er konsequent das, was bisher als unproblematisch galt, von neuem zum Problem werden lässt. Diese Beobachtungsstrategie wird erst mit dem Leitbegriff Historismus und dann als Wissenssoziologie gefasst. Laube zeigt den intellektuellen Rahmen dieser Verschiebung, indem er den österreichisch-ungarischen Erfahrungsraum Mannheims und seine Beteiligung an den Gesprächen, Debatten und Schulungen des legendären Budapester Sonntagskreises um Georg Lukacs und Bela Balazs bis 1919 ebenso ausleuchtet wie seine folgende Beteiligung am Intellektuellendiskurs der Weimarer Republik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.08.2004

Freudig begrüßt Thomas Meyer Reinhard Laubes "Karl Mannheim und die Krise des Historismus" - ein Buch, das auch Karl Mannheim gefallen hätte. Der Rezensent attestiert dem Ideengeschichtler, dass er in seiner "an Details und Informationen überschäumenden" Gesamtdarstellung Perspektiven in der Historismus-Debatte schafft, die von Nietzsche und Nipperdey bis zu Hans-Ulrich Wehler reichen und das Verhältnis von gesellschaftlich-historischer Theorie und Praxis in einem neuen Licht erscheinen lassen. Vor allem, dass Laube sich für seine Dissertation in ungarische Archive begeben hat, um der Wahrheit über Mannheim, vor allem über dessen Anfänge, auf die Spur zu kommen, rechnet Meyer dem Wissenschaftler hoch an. So kann Laube manche Einzelheit der Rezeptionsgeschichte als "Schwindel" entlarven, und Mannheims "herausragende Stellung" wird nachdrücklich deutlich. Kurz und gut: "Ein treffliches Plädoyer für die engagierte Ideengeschichte."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2004

Viel Kluges hat Kurt Flasch in diesem Buch über Karl Mannheims Wissenssoziologie gefunden, auch wenn er es niemanden zur Einführung in dieses Thema empfehlen würde. Es ist halt eine Dissertation, seufzt Flasch. Solch klare, prägnante Sätze wie bei Mannheim selbst seien hier schwerlich zu finden. Aber wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat, versichert der Rezensent, werde man von Reinhard Laubes Arbeit reich entschädigt. Denn Laube zeichnet darin Mannheims Denken von seinen ungarischen Anfängen bis zu den Historismusdiskussionen der Gegenwart "aufs Gelehrteste" nach. Positiv rechnet Flasch dem Autor auch an, viel bisher unbekanntes Material zu verwenden und das Historismusproblem überaus informativ zu behandeln. Am interessantesten erscheint ihm schließlich der dritte Teil des Buches, in dem Laube Texte von Mannheim ediert und kommentiert: "Hier sind Entdeckungen zu machen", freut sich Flasch: "Karl Mannheim als philosophischer Kopf und eleganter Schriftsteller."
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