Reinhard Klimmt (Hg.), Patrick Rössler (Hg.)

Reihenweise

Die Taschenbücher der 1950er Jahre und ihre Gestalter (2 Bände)
Cover: Reihenweise
Achilla Presse, Stollhamm-Butjadingen 2016
ISBN 9783000522345
Gebunden, 936 Seiten, 249,00 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Jane Langforth, Mirko Schädel und Andrea van Dülmen. Das Taschenbuch ist bis heute eine, vielleicht die verlegerische Erfolgsgeschichte der Nachkriegszeit. Inhalt und Verpackung, Lesestoff und Ästhetik der Taschenbücher mit ihren hohen Auflagen spiegeln die kulturelle Szenerie der 1950er Jahre im deutschsprachigen Raum wider. "Reihenweise" lässt diese Epoche in zwei Bänden Revue passieren. Der erste Band ordnet die Taschenbücher der 1950er Jahre in die Kulturlandschaft jener Tage ein, mit einem Schwerpunkt - schon allein wegen der überwiegenden Zahl der Verlage - auf der Bundesrepublik. Das farbige Bildregister im zweiten Band dokumentiert alle den Autoren bekannt gewordenen Umschläge in ihren unterschiedlichen Versionen, die in dem Zeitraum zwischen 1950 und 1959 erschienen sind. Eine Bibliografie der rund 5.000 Titel ergänzt die üblichen Angaben um die Gestalter, soweit sie sich ermitteln ließen. Der Gestalterindex liefert weitere Daten zu den Grafikerinnen und Grafikern und erschließt, gemeinsam mit einem Titel- und Autorenregister, die beiden Bände.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2016

Rezensent Hans Christoph Buch nimmt das Erscheinen von Reinhard Klimmts und Patrick Rösslers Band über die Gestaltung von Taschenbüchern der fünfziger Jahre zum Anlass, ausführlich und nostalgisch an die Entstehung und Bedeutung der Cover von Rowohlts Rotationsromanen zu erinnern. Mit dem ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten Klimmt teilt der Kritiker Erweckungserlebnisse, die etwa die Gestaltung von Rudyard Kiplings "Dschungelbuch" auslösten; umso mehr freut sich der Rezensent, dass Klimmt gemeinsam mit Patrick Rössler nun dieses Kompendium herausgegeben hat, das sämtliche Titel auflistet, mit klugen Kommentaren versieht und Farbfotos aller Buchcover versammelt. Hier kann man das oft und harsch von "Auguren des Zeitgeists" kritisierte Nebeneinander der Taschenbuchflut in seiner ganzen Wirkung nachvollziehen, verspricht der Kritiker, der darauf verweist, dass die breit angelegte und günstige Herausgabe verschiedener Genres, von Erotica bis Hochkultur, erst die Kulturrevolution von 1968 ermöglichte.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.10.2016

Was für ein schönes, prächtiges Werk, seufzt der hier rezensierende ehemalige Rowohlt-Leiter Michael Naumann. Sichtlich von Nostalgie ergriffen betrachtet der Kritiker die beiden Bände, in denen Reinhard Klimmt, einst saarländischer Ministerpräsident und Bundesminister, gemeinsam mit dem Kommunikationssoziologen Patrick Rössler die Umschlag-Geschichte der gesamten deutschsprachigen Taschenbücher zwischen 1946 und 1960 dokumentiert. Im ersten farbenprächtigen Band findet Naumann eine Würdigung der Grafiker, Maler und Schriftschneider, die für die Cover der Wirtschaftswunderjahre verantwortlich waren. Verzückt blättert er auch durch den zweiten Band, der circa 5.000 exemplarische Umschlagseiten von 140 Taschenbuchreihen abbildet und die ganze Bandbreite von "feinsinniger" Symbolik bis hin zu "krassem" Kitsch veranschaulicht. Diese gestaltungshistorische Dokumentation ist eine einzigartige Darstellung deutscher Geschmacksgeschichte, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.09.2016

Christoph Stölzl hat mit dem von Reinhard Klimmt und Patrick Rössler herausgegebenen Kompendium zu Taschenbuchcovern der 50er Jahre ein Standardwerk vor sich, eine Zeitreise und Erinnerung an seine Kindheit und Jugend, eine visuelle Schatzkammer für Sammler und Fans von zwei Sammlern und Fans. Dass der Band auch eine Kultur- und Sittengeschichte der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit ist und eine Taschenbuchgeschichte Österreichs und der DDR, merkt Stölzl beim Blättern in den beiden schweren Bänden. Die Wissens- und Bilderfülle überwältigt ihn, ebenso der Anekdoten- und Faktenreichtum. Toll findet er, dass die damaligen Cover-Gestalter endlich aus der Anonymität treten als Zeitgeistgestalter, die das kulturelle Gedächtnis prägten. Dass neben den bekannten auch die weniger bekannten Reihen ausgegraben werden aus Wissenschaft, Religion, Krimi, Kinder-, Jugendbuch und Belletristik, scheint Stölzl bemerkenswert. Der Beitrag der Autoren zur Popkultur in Deutschland scheint ihm immens. Der zweite Band, meint Stölzl, schafft zudem als komplette Bildbibliografie der 50er, was Benjamin so gerne wissen wollte: Was steht in den Bücherschränken der Deutschen?