Goldberger musste weg aus dem Innviertel. Man hatte ihm eine neue Existenz in einiger Entfernung versprochen - wenn er nur bald ginge. Und nachdem er seine Frau beerdigt hatte, verließ er Wald und Hof, begleitet von seiner Tochter Martha. Als Ferdinand aus dem Krieg nach Hause kam, da übergab Goldberger seinem Sohn die Verantwortung für den neuen Hof, mit dem er selbst nie etwas anzufangen gewusst hatte. - Ferdinand gelang viel, die junge Familie kam zu etwas, "die Dinge liefen" und alles ging seinen vorherbestimmten Gang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2012
Keine neue Geschichte, was Wiebke Porombka da gelesen hat. Doch so, wie der 1982 geborene österreichische Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker vom Generationenfluch einer Familie im Innviertel Anfang der 40er Jahre erzählt, davon, wie sich die Last eines Verbrechens in den Augen der Figuren von einem Familienmitglied zum nächsten fortsetzt, hat es Porombka noch nicht gelesen. Zaghaft, gedehnt, so dass die Rezensentin den Verlauf der Jahre spürt, aber auch die Schwere der Schuld jederzeit. Für Porombka ein nahezu existentielles Erlebnis, bei dem die Figuren mitunter in den Hintergrund treten. Das geht so über fast 600 Seiten, dann zerfasert der Text etwas, wie die Rezensentin feststellt. Ob absichtlich oder weil dem jungen Autor der Atem ausgeht - an der Faszination der Rezensentin für dieses Buch ändert das nichts.
Lange hat keiner mehr so wenig die "Moden und Eitelkeiten des Literaturbetriebs" bedient wie Reinhard Kaiser-Mühlecker, freut sich der Rezensent Ulrich Rüdenauer. In seinem Roman erzählt der Autor die "leise Tragödie" einer Familie: Ferdinand bekommt von seinem Vater, einem alten Nazi, dessen Hof überschrieben und versucht in der dörflichen Welt des Voralpenlandes Fuß zu fassen. Dort lernt er schnell die wesentlichen Regeln: nicht auffallen, nichts anders machen, erst recht nicht anders sein. Rüdenauer lobt, dem Autor reiche dieses kleine Panorama, um "alle Dramen des menschlichen Seins" zu entfalten. Besonders beeindruckt hat ihn die Sprache des Autors, die Bedacht und Aufmerksamkeit verlange. Denn Kaiser-Mühlecker lasse gleich mehrere Generationen großer "Schweiger und Verschweiger" zu Wort kommen und zeige, wie Traditionen und Gewohnheiten, leicht verzerrt, von einer in die nächste gelangen.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…