Karasek erzählt, wie Männer versuchen, zu lieben und zu flüchten, zu erobern und zu vergessen. Der "publizistische Turbokarpfen im Teich der grauen Hechte" (Gerhard Stadelmaier) berichtet von glücklichen und schmerzlichen Selbstversuchen und von Ausflügen in das unbekannte Land der Frauen. Die Beziehung zwischen Männern und Frauen - ein Wechselbad zwischen Liebe und Verlieren, Leidenschaft und Erkalten. Das Dilemma: Die Leidenschaft kennt keine Treue und verspricht keine Dauer. Ehe und Familie dagegen basieren auf der versprochenen Treue und der garantierten Dauer. Nestflüchter und Nestwärmer, das sind Mann und Frau. Und die Treue ist keine Frage der Moral, sondern der Bequemlichkeit, der Feigheit und des Mangels an Gelegenheiten. Eine Geschichte in Geschichten aus fünfzig Jahren Geschlechterkampf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.11.2009
Schlimmes ist zu befürchten und schlimm wird es schon auch, meint Burkhard Müller als Rezensent dieser "erotischen Memoiren" des Literatur- und Filmkritikers Hellmuth Karasek. Schlimm, ja, aber nur stellenweise. Denn das Buch hat auch Stärken. Die zum nicht geringen Teil in Karaseks Fähigkeit zur ziemlich ehrlichen Selbstbeschreibung beziehungsweise - so Müller - sogar "lächerlichen Selbstpreisgabe" liegen. Was sich etwa darin manifestiere, wie er die Szene beschreibt, als er seine Frau in flagranti im Bett mit einem anderen erwischt. Oder wie er sich selbst einen "Dackelblick" diagnostizieren lässt. Obwohl mehr oder weniger die gesamte Weltliteratur aufgefahren wird, der einzige, zu dem Müller eine tatsächliche Nähe sieht, ist Johann Nestroy. Dennoch immer wieder schade drum, meint der Rezensent. Zu arg nah sei das ganze auch sprachlich an den fünfziger Jahren, auf die sich Karasek konzentriert. Und dass er immer nur "Er" schreibt, zum "Ich" sich nicht durchringen kann - das bedauert der Rezensent am meisten, weil dadurch weite Strecken doch von einem "verdrucksten Schmunzeln" begleitet scheinen.
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