Gibt es heute, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, noch immer so etwas wie eine "Ost-Identität"? Die Historikerin Annette Schuhmann fügt der intensiven Debatte darüber eine besondere Sichtweise hinzu und geht der Frage nach, wie "anders" die Frauen der DDR sind. Hierfür versammelt sie 13 unterschiedliche Porträts: Künstlerinnen, Arbeiterinnen, Wissenschaftlerinnen, Frauen, die in den Westen geflüchtet sind ebenso wie Frauen, die geblieben sind, nicht zuletzt Frauen der Nachwendegeneration. Sie zeigt, wie Erfahrungen, Erinnerungen und Familienerzählungen nachwirken und welches Selbstverständnis aus der DDR-Sozialisation erwächst.
Was ist eigentlich "die Ostfrau", fragt sich Rezensentin Marlen Hobrack, und sucht nach Antworten bei Annette Schuhmann, die für ihr Buch 13 Interviews mit Frauen geführt hat, die zwischen 1936 und 2001 geboren sind. Die Frage wird ihr aber auch hier nicht ganz beantwortet: Es herrscht die Erkenntnis vor, dass es die eine Ost-Identität nicht gibt, dass es sich immer noch um individuelle Leben handelt, in denen sich die Leserin wiederfinden kann oder eben nicht. Die Biografien der Frauen lesen sich für Hobrack durchaus interessant, aber das, was 'typisch' für ostdeutsche Frauenleben wäre oder sein könnte, zerrinnt in der sehr differenzierten Betrachtung, klagt die Kritikerin, sodass sie am Ende nur noch dadurch geprägt zu sein scheinen, "anders" zu sein als ihre Altersgenossinnen im Westen. So muss sich Hobrack die Frage weiterhin stellen.
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