Klappentext

Seit fünfzehn Jahren studiert Vittorio Kowalski wie besessen das Wetter in einem fernen Alpendorf. Er kennt die Hoch-und Tiefwetterlagen eines jeden Datums auswendig, ist mit den täglichen Luftdruckschwankungen, Niederschlagsmengen und Sonnenscheindauern per Du. Eines Tages wird er mit diesem verrückten Spezialwissen sogar Wettkönig bei "Wetten, dass ..?". Niemand kann sich diese Leidenschaft erklären. Nur in dem achthundert Kilometer entfernten Urlaubsort seiner Kindheit sitzt eine junge Frau vor dem Fernseher, die den schüchternen Wettkandidaten nach fünfzehn Jahren wiedererkennt. Anni war die Tochter der Zimmervermieter, Vittorio der Sohn der deutschen Urlaubsgäste. Die beiden Kinder verbrachten jeden Sommer gemeinsam - bis sie in ein Jahrhundert-Unwetter gerieten, das sie für immer trennte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

"Leichter Nieselregen", konstatiert Martin Lüdke enttäuscht nach der Lektüre von Wolfgang Haas' Anti-Roman "Das Wetter vor fünfzehn Jahren". Nur mäßig einfallsreich findet er die Konstruktion, in der eine Interviewerin einen fiktiven Autor Wolfgang Haas über den Roman befragt und so nach und nach der Inhalt desselben indirekt vermittelt wird. Als Revolution "a bisserl spät", meint Lüdke, der das Aufbrechen alter Strukturen bei Antonio Lobo Antunes oder William Gaddis schon überzeugender gesehen zu haben glaubt. Bei der Handlung, in deren Mittelpunkt eine ungeklärte Liebesgeschichte steht, sieht es nicht besser aus: "Von einer Geschichte zu sprechen, verbietet sich - leider - von selbst."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.10.2006

Als "Kritikerroman" beschreibt Rezensentin Hannah Pilarczyk dieses in Interviewform geschriebene Buch, das sie "charmant" und "streckenweise ziemlich lustig" fand. Mann muss aber kein Kritiker sein, um ihn goutieren zu können, betont Pilarczyk. Zwar musste sie sich eigenen Angaben zufolge durch "eine Menge Qualm" kämpfen, da die formale Anlage dieses Romans wie eine Rauchbombe funktioniere: ein Autor namens Wolf Haas werde darin von einer Kritikerin mit dem Namen "Literaturbeilage" zu seinem neuen Roman befragt. Doch sind die Fiktionalisierungs- und Verpackungsebenen erst mal durchschaut, könne man zur Handlung selbst gelangen, einer echten Liebesgeschichte mit aberwitzig-tragischen Zügen, wie man der empathischen Beschreibung der Rezensentin entnehmen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Rose-Maria Gropp sieht Silbersterne. Im Reden über die Liebe hat ihr der Autor nichts weniger als die Lust am Text zurückgegeben. Und beiläufig auch noch das neue Genre des "getapeten" Zwiegesprächs erfunden. Da kennt die Schmeichelei naturgemäß keine Grenzen: "Wolf Haas ist ein Verführer." Und das, obwohl der Mann den Leser (und die Literaturkritik) nicht gerade zu schonen scheint! Den Roman nämlich schildert die verzückte Rezensentin als halsbrecherisches Spiegelstück. Gropp ist dennoch charmiert bis über die Ohren. Weil diese Virtuosität leicht genug daherkommt und witzig und weil, wie Gropp feststellt, Haas das Wort beherrscht und "abenteuerliche Bilder" rausschickt, die über Abgründen segeln.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Kuriose Details, satirische Miniaturen, augenzwinkernde Trivialitäten - all das entdeckt Paul Jandl im ersten Nach- bzw. Nicht-Brenner-Roman von Wolf Haas. Ein Schnäppchen liefere der österreichische Werbetexter und Popliterat, indem er zwei Romane in einem Buch präsentiere, die in mehreren Erzählebenen verschachtelt und selbstreflexiv aufgeladen sind, so der Rezensent. Dabei diene Haas das Wetter als Großmetapher, die in all ihrer vieldeutigen Bedeutungskraft "durchdekliniert" werde. Doch bietet Haas in der durchaus gewitzten Form des fiktiven Interviews genügend Metaironie und Pointen, dass Rezensent Jandl auch mit der Banalität der geschilderten Geschichte versöhnt wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Nach vollzogener Lektüre dieses "tollen Stücks Prosa" fühlt sich Rezensent Hubert Winkels "glücklich, aufgeputscht", aber auch "ein bisschen postkoital erschöpft". Dies schreibt er der luziden Erzählstrategie des Romans, ihren Beschleunigungen und Verlangsamungen zu, die Winkels so außergewöhnlich findet, dass er sie mit der Dramaturgie eines "könnerhaft inszenierten Geschlechtsakts" vergleicht. Im Zentrum des Romans von Wolf Haas steht Winkels zufolge ein fiktiver Autor namens Wolf Haas, der einen Roman über einen Gewinner von "Wetten dass..?" schreiben will, der alle Wetterberichte der vergangenen Jahre auswendig weiß. Die Geschichte sei von Anfang an "hochspannend" und "hochkomisch". Wobei Winkels einräumt, dass möglicherweise nur echte Liebhaber die "ebenso komplexe wie aberwitzige" Konstuktion des Romans wirklich genießen könnten. Den anderen hilft der Rezensent mit dem Tipp auf die Sprünge, die Geschichte wie eine "sich langsam aufschaukelnde Screwball-Komödie" zu lesen, sich dem turbulenten Romantreiben mit all seinen Bildern, Motiven und postmodernenVerästelungen hinzugeben, um schließlich die "Handlungsexzesse" explosionsartig in einem "grand finale" einstürzten zu sehen.