Reinaldo Arenas

Engelsberg

Roman
Cover: Engelsberg
Ammann Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783250104834
Gebunden, 208 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem kubanischen Spanisch von Klaus Laabs. Mit einem Nachwort von Ottmar Ette. Havanna im 19. Jahrhundert. Eine Stadt, die von Sklaven, Mulatten, Freigelassenen und Entlaufenen wimmelt. Und von einer unüberschaubaren Kinderschar, in die Welt gesetzt von niemand anderem als dem Bischof der Stadt, dem tatsächlichen Engel vom Engelsberg. Hier treibt's der Don mit der Mulattin, die Dona aus Rache mit dem schwarzen Koch. Cecilia will einen weißen Mann. Leonardo sein Vergnügen und Isabels Geld. Isabel will Ordnung halten, Jose Dolores die Geliebte Cecilia erobern. Und die Engländer wollen, dass endlich Schluss ist mit der Sklaverei. Bigotterie und Grausamkeit bestimmen das tägliche Leben in Havanna, dazwischen aber scheint jeder einzelne auf der Suche zu sein nach dem idealen geliebten Wesen, das letztendlich doch ein Spiegelbild seiner selbst sein müsste. Und so ist es dann fast zwangsläufig der unbekannte weiße Stiefbruder, in den sich die scheinbar elternlose Mulattin Cecilia rettungslos verliebt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2006

Georg Sütterlin begrüßt die überfällige Übersetzung des bereits 1987 erschienenen Romans von Reinaldo Arenas, der sein Leben und Schreiben dem Kampf gegen die Willkürherrschaft Fidel Castros widmete, 1980 aus seinem Heimatland Kuba ausgewiesen wurde und 1990 in den USA starb. Als Vorlage für den kurzen Roman "Engelsberg" diente Arenas das kubanische Nationalepos "Cecilia Valdes" (1882) von Cirilio Villaverde, in dem die weiße Sklavenhaltergesellschaft des 19. Jahrhunderts angeprangert wird. Arenas nehme die Fäden seines Vorgängers persiflierend auf und spinne darüber hinaus in den knapp gehaltenen Kapiteln ein "inzestuöses Beziehungsgeflecht" einer pervertierten und korrupten Gesellschaft, in der sich sowohl die Ausbeutung des 19. Jahrhunderts wie auch jene des modernen Kuba spiegelt. Ohne in den Ton der Anklage zu verfallen, sei dem Autor ein burleskes, witziges und lehrreiches Kunststück gelungen, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2006

Florian Borchmeyer sieht eine Neuerzählung von Cirilo Villaverdes "Cecilia Valdes oder der Engelsberg", eine Art literarisches "Nationalemblem" Kubas, von vornherein mit vielen Risiken behaftet. Umso mehr würdigt er den Erfolg, den der Kubaner Reinaldo Arenas mit seinem 1987 erschienenen Roman "Engelsberg" feierte, drei Jahre vor seinem Tod. Arenas folge dem Vorbild aus dem 19. Jahrhundert sowohl inhaltlich als auch strukturell "minutiös". Doch scheue sich der als "Enfant terrible" bekannte Autor nicht, die Geschichte um eine Beziehung zwischen einem Feudalherrn mit einer Mulattin mit ihren "breiten realistischen Beschreibungen" und "ausladenden Dialogen" rigoros auf ihr Handlungsskelett zusammenschrumpfen zu lassen, stellt der Rezensent fest, der gerade darin den "einzigartigen Mut" Arenas' bewundert. In der Raffung der Ereignisse, die den Rezensenten mitunter an einen "amerikanischen Zeichentrickfilm erinnert", gewinnt die Handlung enorm an "Drastik". Zudem entstehe ein in dieser Prägnanz "selten" dargestelltes Bild der "menschenverachtenden Absurdität" des spanischen Kolonialsystems. Zudem lobt Borchmeyer die "hohe literarische Qualität der Übersetzung" von Klaus Laabs sowie Ottmar Ettes kenntnisreiches Nachwort.
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