Ein Tanz am Rande des Abgrunds. Die Welt ist ein erbarmungsloser Ort: Alkoholexzesse, sexuelle Obsessionen, gesellschaftliches Chaos und - kein bisschen Liebe. Zu diesem Fazit kommt der Protagonist, der sich an einen kleinen Küstenort auf Kuba zurückzieht, um sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. "Ich fühlte in mir eine abstoßende Mischung aus Gewalttätigkeit, Lüsternheit, Sadismus, Verlangen nach Alkohol. Aber ich fühlte auch, dass mein Herz härter wurde. Jeden Tag, immer mehr. Das war es, was ich haben wollte: ein Herz aus Stein." In diesem letzten Titel des Havanna-Zyklus scheint der lebenshungrige, ständig nach neuen Abenteuern gierende Held abgeklärter denn je. Er ist auf der Flucht vor dem alltäglichen Wahnsinn und auf der Suche nach Einsamkeit, Ruhe und innerem Gleichgewicht. Aber wie soll er dergleichen finden, wenn das Leben um ihn herum tobt wie ein unerbittlicher Hurrikan? "Kein bisschen Liebe" ist der glänzende Abschluss von Gutierrez' fünfbändigem Zyklus, der mit seinem internationalen Bestseller "Schmutzige Havanna Trilogie" begann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2008
Ziemlich gelangweilt zeigt sich Kersten Knipp bei der Lektüre von Pedro Juan Gutierrez' realistischer Darstellung über Kubas Trostlosigkeit. Mehr noch: Das Buch lässt den Rezensenten sogar in Trauer um eine verlorene Sprachkunst verfallen, die ein Guillermo Cabrera Infantes der Tristesse entgegenstellte. "Öde ist Kuba unter den gegebenen Umständen ganz von selbst", bemängelt Knipp. Zu einschläfernd ist ihm das alles: das Elend des Alltags der "geschichtslosen" Insel und die Trübsal der Personen, die Gutierrez aufzeichnet. Dazu kommen die "Gossensprache" und die ihm viel zu repetitiven Sex-Stellen; Knipp wartet anscheinend auf einen Funken der Romantik inmitten sozialer Armut. Das viele Lob an Gutierrez' Fähigkeiten ist ihm ein großes Rätsel.
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