Pedro Juan Gutierrez

Schmutzige Havanna Trilogie

Roman
Cover: Schmutzige Havanna Trilogie
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2002
ISBN 9783455025439
Gebunden, 414 Seiten, 20,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Harald Riemann. Havanna in den 90er Jahren, eine Stadt am Rande des Abgrunds. Es gibt weder Seife noch Wasser, noch Essen, noch Arbeit, noch Geld. Der Erzähler Pedro Juan, arbeitsloser Journalist Anfang vierzig und Alter Ego des Autors, lebt wie alle vom Nichts: vom Hunger, vom Zeittotschlagen, von Gelegenheitsjobs, die kein Geld einbringen, von Rum, Zigaretten und vom Vögeln. Vor allem von Letzterem. Denn wenn es in Castros Stadt noch etwas im Überfluss gibt, sind es herrliche, schamlose und selbstbewusste Frauen. Pedro Juan Gutierrez beschreibt in bunten Farben die Nachtseite der Revolution.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2003

Georg Sütterlin ist nicht so recht glücklich mit diesem Buch, das bereits 1998 in Spanien "Furore" machte und jetzt auf Deutsch vorliegt. Der Band, der aus einzelnen Geschichten besteht, die aus der Perspektive eines arbeitslosen Journalisten geschildert werden, überzeugt ihn dort am meisten, wo er, durchaus an der sozialistischen Wirklichkeit orientiert, über die "brutalisierte Unterschicht" Kubas erzählt. Das Macho-Gehabe der Hauptfigur dagegen geht ihm sehr auf die Nerven. Er findet die Betonung seiner Härte und die permanente Selbstinszenierung als "einfacher Mann der Tropen" ziemlich "uninteressant". Die Sexualprotzerei schließlich, mit der sich der Protagonist penetrant in Szene setzt, ist für den Leser eine "harte Probe", so Sütterlin abgestoßen. Er fragt sich, was der Autor damit erreichen will, wenn er diese "mechanisch-aggressive" Sexualität in überdeutlich "kruder" Sprache schildert und findet, dass das Buch dadurch "zunehmend Schlagseite" bekommt, auch wenn der Autor damit nach eigenen Angaben ein "gewisses Machotum lächerlich" machen will, wie Sütterlin mitteilt. Die Schilderungen der "demoralisierten, verelendeten Bevölkerung" der Altstadt Havannas aber findet er durchaus "überzeugend", und er sieht in ihnen entgegen der erklärten Absicht des Autors einen "vernichtenden" politischen Kommentar über das sozialistische Kuba enthalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2002

Der Rezensent Florian Borchmeyer erlebt einen "Angriff auf den Würgreflex", wenn der Autor Pedro Juan Gutierrez - und mit ihm sein literarisches Alter Ego Pedro Juan - seine Heimat Havanna und das (Über-)Leben im Kuba des Jahres 1994 schildert: Gegen Wahnsinn und tödliche Langeweile treibt es jeder mit jedem, sei es, um sich abzureagieren oder um einen Vorteil zu erringen. Die "ungeschminkte Innenperspektive" einer brutalen, stinkenden Welt, deren Wirklichkeit ebenso wenig zu ertragen ist wie die beschönigenden Phrasen der Staatspropaganda, nimmt Pedro Juan mit "sportlicher Fassung", so der Rezensent. Der 1950 geborene und in seinem Land nicht veröffentlichte Autor wurde infolge dieses obszönen Buches, welches die "menschliche Fratze" als ihr womöglich "wahres Gesicht" zeige, als Journalist gefeuert, berichtet der Rezensent. Borchmeyer sieht ein Aufbegehren des aggressiven Machos gegen die "Verlogenheit politischer ebenso wie poetischer Doktrin" und nimmt die bisweilen "mühsame" Lektüre dieser vorsätzlichen "Anti-Literatur" als Preis für die hohe "Authentizität" begeistert hin. Das erste ins Deutsche übersetzte Buch des Autors ist die interessanteste kubanische Neuerscheinung seit langem, lobt Borchmeyer.
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