"Kinder, Küche, Kirche" gilt allgemein als Stereotyp "der Frau" in der Adenauer-Ära. Die katholische Kirche wird meist zu jenen gesellschaftlichen Kräften gezählt, die dieses Bild nachhaltig konservierten. Allerdings zeigt das Beispiel des Katholischen Deutschen Frauenbundes eine andere, weitaus dynamischere Wirklichkeit. Im Zentrum der Studie stehen Katholikinnen, die nach 1945 entschlossen ihre 1903 begonnene Arbeit als katholische Frauenbewegung fortsetzten und sich mit eigenständigen Positionen im gesellschaftlichen Leben und in ihrer Kirche profilierten: Bereits organisatorisch setzte sich die dezidiert weibliche Führungsspitze von jenen katholischen Frauenvereinen ab, die sich unter der Leitung von Klerikern eher karitativ oder spirituell engagierten. Erfolgreich stemmten sich Frauen wie Helene Weber, Gertrud Ehrle und Aenne Brauksiepe Versuchen der Bischöfe entgegen, auch ihren Verband enger an die Kirchenleitung zu binden. In seinen gesellschaftlichen Vorstellungen löste sich der Frauenbund von traditionellen Rollenbildern und vertrat in Anlehnung an die bürgerliche Frauenbewegung emanzipatorische Ansprüche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2016
Günter Buchstab findet die Studie von Regina Illemann zur katholischen Frauenbewegung zwar wichtig und gewichtig als Teil der Geschichte der Frauenbewegung, entdeckt aber auch Defizite. So kann ihm die Autorin zwar die Ereignisse, Akteurinnen, Zusammenhänge und Ziele rund um den Katholischen Deutschen Frauenbund aufzeigen, wie sich die traditionelle Frauenrolle in der sich ausbildenden Industriegesellschaft bis 1965 veränderte, vermag Illemann laut Buchstab jedoch leider nicht eigens zu analysieren. Der Blick der Autorin auf die mangelnde Flexibilität des Verbands im Umgang mit sich verändernden gesellschaftlichen Strukturen fällt für Buchstab generell allzu deskriptiv aus.
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