Nach Hitlers Machtergreifung 1933 gewährte der Laacher Abt Ildefons Herwegen dem abgesetzten und bedrohten Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer ein Jahr lang Zuflucht in seinem Kloster. Gleichzeitig versuchte der Abt mit seinen engsten Mitarbeitern, Brücken der Verständigung zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus zu bauen. Mehr noch: Spätestens seit Heinrich Bölls 1959 erschienenem Roman "Billard um halb zehn" ist bekannt, dass die Mönche von Maria Laach Hitlers Machtergreifung begeistert feierten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2003
Zwar ist es bereits bekannt gewesen, dass die Benediktermönche des Klosters Maria Laach schon vor 1933 in eine nationale Begeisterung verfielen, die dann mit der Machtergreifung Hitlers noch verstärkt wurde, jetzt aber wurden die Türen des Klosterarchivs geöffnet und damit der wissenschaftliche "Blick frei in einen braunen Abgrund katholisch-totalitären Denkens und Handelns", schreibt Rezensent Daniel Deckers. Der Ordenshistoriker Marcel Albert hat die "überraschend reichhaltigen Dokumente" ausgewertet und vollzieht die Entwicklung der Mönche um Abt Herwegen nach, ihre Hinwendung zur NSDAP, ihre Mitarbeit an der Idee einer "Reichstheologie", ihre schließliche Erkenntnis, dass "Christentum und Nationalsozialismus unvereinbar seien", zu der sie allerdings nur aufgrund der zunehmenden Schikanen der Nazis kamen. Bis dahin, schreibt Deckers, "arbeiteten die Mönche nach Kräften am Aufbau des neuen Reiches". Fazit unseres Rezensenten: Eine überfällige Aufarbeitung der Aktivitäten am zentralen Ort des Rechtskatholizismus in Weimarer Republik und Drittem Reich.
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