Aus dem Amerikanischen von Karl Nicolai. Das angebliche Schweigen Papst Pius' XII. angesichts der national- sozialistischen Judenvernichtung wird außerordentlich kontrovers diskutiert. Der amerikanische Historiker Jose M. Sanchez bietet einen neuen Zugang zu dieser internationalen Kontroverse und zu den Fakten: Systematisch geordnet stellt er in übersichtlicher Form die Hauptstreitpunkte der Debatte und die wichtigsten Argumente von Kritikern und Verteidigern des Papstes von Hochhuth über Blet bis Cornwell vor und unterzieht sie dann im Licht der veröffentlichten Dokumente sachlich und fair einer klärenden Bewertung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2003
Hansjakob Stehle war skeptisch: ein weiteres Buch über die umstrittene Rolle des Papstes während des Holocaust? Doch die Studie des amerikanischen Historikers hat ihn überzeugt; Sanchez sei es nämlich geglückt, "zum ersten Mal die Kernpunkte aller zugänglichen Quellen und der gesamten Sekundärliteratur sachlich-kritisch zu verarbeiten und dabei dem Dilemma zwischen Verurteilung und Freispruch fast zu entkommen". Bei der Lektüre wird Stehle zufolge deutlich, dass Pius XII. über den Völkermord Bescheid wusste. Warum wurde er nicht tätig? Weil er als "widerspruchsvolle Persönlichkeit", einmal aus politischen Ängsten ins Zaudern geraten, nicht mehr aus dem Schwanken herauskam - so die Darstellung von Sanchez, bei dem Stehle sogar ein gewisses Mitleid feststellt. Die politischen und religiösen Pflichten eines Papstes, sind sich Autor und Rezensent einig, sind nur schwierig unter einen Hut zu bringen. Pius XII. sei an der Aufgabe gescheitert.
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