Josef H. Reichholf

Naturschutz

Krise und Zukunft
Cover: Naturschutz
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518260319
Kartoniert, 169 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Steckt womöglich ein grundsätzlicher Fehler im Konzept des Naturschutzes? Natur ist ihrer Natur nach veränderlich. Das aktive Konservieren eines bestimmten Zustands stellt daher auch einen Eingriff in den Naturhaushalt dar. Viele Eingriffe haben mehr Natur geschaffen, als vorher vorhanden war. Städte sind artenreicher als manche Flächen in der freien Natur . Viele Arten breiten sich aus, andere schwinden und verschwinden. Trotz Naturschutz! Fremde Arten siedeln sich an. Der Naturschutz will sie nicht haben, schützt aber viele Arten, die Fremdlinge von früher sind. Das momentane Vorkommen seltener Arten wird als Waffe gegen Baumaßnahmen benutzt. Siedeln sich solche aber auf bebautem Gelände an, gibt es dafür keine Kompensation. Der Naturschutz zieht über Ausgleichsmaßnahmen zusätzliche Steuern ein und wirkt mit seinen Vorbehalten oder Einschränkungen als massives Hindernis für die Forschung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2010

Naturschützer, die dieses Buch lesen, sollen sich warm anziehen, warnt Rezensent Reinhard Wandtner. Dabei ist der Autor selber Ökologe und Evolutionsbiologe. Dass Josef H. Reichholf aus besonderem Holz ist, erfährt Wandtner hier allerdings in jedem Absatz. So wenn Reichholf kampflustig Begriffe wie "Seltenheit" oder "Nachhaltigkeit" überprüft und feststellt, es sind nur Phrasen. Selten sei der Adler schließlich immer, auch mit dem bestmöglichen Seltenheitsschutz. Auch wenn Reichholf Naturschutz als Denkmalschutz bezeichnet und die Landwirtschaft als eigentlichen Stachel im Fleisch der sogenannten Natur entlarvt, macht sich der Autor laut Wandtner keine Freunde. Reichholfs Lösungsvorschlag eines menschenfreundlichen, dem Wandel der Natur angepassten Naturschutzes leuchtet dem zwar Rezensenten ein, sich damit anzufreunden, vermutet er, wird aber nicht leicht sein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2010

Blumenliebhaber, Laien, Angler und Jäger hergehört, meint Christian Schütze. Diese saftige Streitschrift des anerkannten Biologen und Ökologen Josef H. Reichholf versteht Schütze nicht nur als lehrreiche Bilanz eines Forscherlebens, sondern auch als politische Provokation, die temperamentvoll, ja anstößig auf die Fehler im Naturschutz hinweist und Verbesserungsvorschläge macht. So lässt Schütze sich Gelassenheit lehren im Umgang mit Neophyten, spitzt die Ohren, wenn Reichholf die Land- und Forstwirtschaft als Artenvernichter und Ungleichgewichte im Umgang mit bedrohten Tieren und Pflanzen anprangert und den Biotopschutz gegen einen statischen Naturschutz ins Feld führt. Als hilfreich für die Lektüre erweisen sich für den Rezensenten die vielen Fallbeispiele und der Umstand, dass der Autor bei aller Polemik gegen den klassischen Naturschutz nicht vergisst, auch dessen Erfolge beim Namen zu nennen.
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